Theater des Monats Juli/August 2017

Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt / Quedlinburg, Außenansicht Halberstadt
Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt / Quedlinburg, Außenansicht Quedlinburg, © Sven Winter

Nordharzer Städtebundtheater Außenansicht Halberstadt / Außenansicht Quedlinburg

Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt / Quedlinburg, Innenansicht Halberstadt, © Jürgen Meusel
Nordharzer Städtebundtheater, Großes Haus Quedlinburg, © Jürgen Meusel

Nordharzer Städtebundtheater Innenansicht Halberstadt / Innenansicht Quedlinburg

Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt / Quedlinburg, Bergtheater Thale, © Jürgen Meusel
Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt / Quedlinburg, Neue Bühne, © Jürgen Meusel

Nordharzer Städtebundtheater: Bergtheater Thale / Neue Bühne Quedlinburg

Fotos: © Jürgen Meusel / Sven Winter


Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt / Quedlinburg | interessante Links


Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt / Quedlinburg

Das Nordharzer Städtebundtheater ist DAS Theater im Harz! Das Dreispartenhaus ist mit ca. 500 Vorstellungen im Jahr ein wichtiger Kulturträger in der gesamten Harzregion. Jährlich werden mehr als 100.000 Zuschauer erreicht. Bespielt werden insgesamt vier Bühnen in den Städten Halberstadt und Quedlinburg. Im Sommer finden traditionell Aufführungen im Harzer Bergtheater Thale sowie auf der Waldbühne Altenbrak statt. Darüber hinaus gibt es Freilichtinszenierungen an historisch oder touristisch interessanten Orten wie dem Wasserschloss Westerburg, der Stiftskirche Quedlinburg oder dem Dom St. Stephanus Halberstadt. Des Weiteren arbeitet das Theater mit ca. 50 Gastspielpartnern zusammen und fährt zu Gastspielen in ganz Deutschland.

Der Bühnenbetrieb ging 1992 aus der Fusion des Stadttheaters Quedlinburg und des Volkstheaters Halberstadt hervor. Getragen vom Land und den im Theaterzweckverband beteiligten Landkreisen und Städten wurden beide Theater fortan unter einer gemeinsamen künstlerischen und betriebswirtschaftlichen Leitung vereint. Seitdem bietet das Nordharzer Städtebundtheater ein attraktives Kulturangebot für den Landkreis Harz sowie angrenzende Regionen mit erfrischend durchdachten Inszenierungen im Musiktheater, Ballett, Schauspiel, Märchen und Konzert.
Seit Januar 2009 leitet Musikdirektor Johannes Rieger als Intendant das Nordharzer Städtebundtheater. Sein Anliegen ist es, das reichhaltige musikalische und dramatische Kulturerbe sowie innovative Entwicklungen unserer Zeit über nachfolgende Generationen weiter zu führen. Dabei kooperiert er verstärkt mit Partnern aus Wirtschaft und Kultur des Landkreises.

Die Kooperationsanfragen vieler Firmen und Unternehmen des Landkreises machen deutlich, dass Kultur auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Ein ansprechendes Theater steigert den Wert einer Region, zieht Anwohner und Touristen an. Das Theater soll verstärkt nach außen wirken. Neben den Vorstellungen gibt es viele Veranstaltungsformen, die eine breite Öffentlichkeit erreichen, so der Tag der offenen Tür, das Theaterfest oder die beliebten Matineen an verschiedenen Orten in der Stadt. Formate wie „Kurzeinführung“ oder „Nachgespräch“ locken immer mehr Besucher ins Theater. Informative und unterhaltsame Programme stellen aktuelle Themen zur Diskussion und bringen Menschen dazu, sich mit sich und ihrer Umgebung stets aufs Neue auseinanderzusetzen. So fand auch die Begegnungsreihe „Sieh, das Fremde liegt so nah!“, bei der Einheimische und Flüchtlinge der Region gemeinsame Workshops veranstalteten, großen Anklang.

Theater in Quedlinburg gibt es seit dem 19. Jahrhundert, jedoch zunächst ohne festes Ensemble. Das Theatergebäude wurde am 10. Oktober 1886 eingeweiht. Das im Stil der Gründerzeit errichtete Gebäude wurde von Wilhelm und Hermann Schilling als Gasthaus und Theater betrieben. Anfang der 1930er entstand ein neuer Gebäudeteil. Erst am 2. Oktober 1945 wurde das Stadttheater Quedlinburg gegründet, der Dreispartenbetrieb erhielt Einzug in das „Theater am Marschlinger Hof“, das bis heute als Spielstätte genutzt wird. Nach der Neustrukturierung der Theaterlandschaft der DDR 1964 bot Quedlinburg dann reines Schauspieltheater, während im benachbarten Halberstadt Musiktheater gezeigt wurde. Da nicht genügend Mittel für eine Instandhaltung des Theaterbaus vorhanden waren, musste das zunehmend verfallene „Große Haus“ 1984 für den Spielbetrieb gesperrt werden. Erst 1997 wurde die Spielstätte auch durch das Engagement vieler theaterbegeisterter Bürger wieder eröffnet.

Theater in Halberstadt hat eine jahrhundertelange Tradition und geht auf das Wirken des berühmten Bischofs und späteren Herzogs Heinrich Julius (1564-1613) zurück. Aber erst im 18. Jahrhundert sind regelmäßige Aufführungen durch wandernde Schauspieltruppen nachweisbar. Für 1797 ist beispielsweise ein sehr umfangreiches Gastspiel der Doebbelinschen Theatertruppe dokumentiert. 1812 erhielt Halberstadt sein erstes Stadttheater. Damit gehört Halberstadt zu jenen deutschen Städten, die schon frühzeitig ein festes Theatergebäude als ständige Spielstätte für gastierende Truppen eingerichtet haben, eine Entscheidung, die zweifellos auch der damaligen Nationaltheateridee Rechnung trug. Zur Jahrhundertwende wurden die Forderungen nach einem angemessenen Theaterbau in Halberstadt immer lauter, der renommierte Architekt Sehring erhielt den Bauauftrag. 1905 wurde das neue Stadttheater glanzvoll eröffnet, ein für damalige Verhältnisse modernes Haus (es gehörte zu den klassischen deutschen Jugendstil-Theatern) mit einem festen Ensemble, in dem bedeutende Schauspieler wie Gustaf Gründgens oder Theo Lingen debütierten und erste Bühnenerfahrungen sammelten. 1919 kam mit der Gründung des Städtischen Orchesters das Musiktheater hinzu, so dass Halberstadt seitdem über ein Stadttheater mit Mehrspartenbetrieb und umfangreichem Repertoirespielplan verfügte. Der verheerende Bombenangriff am 8. April 1945 verwüstete auch das Stadttheater, dennoch nahm das Ensemble im September 1945 den Spielbetrieb wieder auf, und bereits 1949 wurde in Halberstadt mit Goethes „Egmont“ ein Theaterneubau eingeweiht, der zu den ersten Theaterbauten in Deutschland nach dem Krieg zählt. Das in Erinnerung an die Volkstheateridee des Halberstädter Arztes und Wagner-Verehrers Dr. Hans Kehr in „Volkstheater Halberstadt“ umbenannte Stadttheater wurde zu einem künstlerisch leistungsfähigen Theater mit gutem Ruf und einem gesicherten Publikumsstamm.