Theater des Monats Februar 2020

Theater Münster, Außenansicht / Großes Haus, © Oliver Berg
Theater Münster, Ruine / Großes Haus, © Oliver Berg

Theater Münster / Außenansicht Großes Haus / Ruine Großes Haus

Theater Münster, Innenansicht Saal / Großes Haus, © Oliver Berg
Theater Münster, Lampenhimmel Saal / Großes Haus, © Jochen Quast

Theater Münster / Innenansicht Großes Haus / Lampenhimmel Großes Haus

Fotos: © Oliver Berg, Jochen Quast / Theater Münster


Theater Münster | interessante Links



Theater Münster

Der erste Theaterbau in Münster geht auf ein Dekret des Ministers und Generalvikars im Fürstbistum Münster Franz Freiherr von Fürstenberg vom 2. Mai 1774 zurück. Der Bau wurde nach den Plänen des Architekten Wilhelm Ferdinand Lippert als Komödienhaus im alten Schlachthaus der Metzergilde am Roggenmarkt am 12. Oktober 1775 eröffnet. Das Komödienhaus, das über dem Haupteingang das Wappen der Stadt Münster zeigte, kostete die Stadt 19.000 Taler und bot rund 500 Zuschauern Platz. Indem die ansteigenden Flächen des Parterres und der Bühne durch maschinelle Einrichtungen auf die gleiche Ebene geschraubt werden konnten, war eine zusätzliche Nutzung des Theaterhauses als Ballsaal möglich. Zur finanziellen Absicherung des Theaters wurde bereits im Jahre 1776 ein Theaterverein gebildet, der sich vornehmlich aus Vertretern des Adels und höfischen Beamten zusammensetzte.

Während man vor der Eröffnung des Komödienhauses in den Räumen des Krameramtshauses (heute: Haus der Niederlande, Alter Steinweg) vornehmlich Schauspiele gezeigt hatte, konnte in dem neuen Gebäude ein ungleich vielfältigeres Repertoire angeboten werden. Italienische und französische Opern, Schauspiele von Shakespeare und Lessing, später von Goethe und Schiller standen auf dem Spielplan. Mit der Detmolder Hofschauspielgesellschaft kam 1826 ein junger Schauspieler und Sänger nach Münster, der sieben Jahre lang dem Theater der Hauptstadt Westfalens Glanz verleihen sollte: Albert Lortzing. Zwischen 1849 und 1864 wurden den rund 20.000 Münsteranern für die damalige Zeit mit Werken von Giacomo Meyerbeer (Der Prophet) und Richard Wagner (Tannhäuser und Lohengrin) fortschrittliches Musiktheater präsentiert. Die wechselvolle Geschichte des Komödienhauses endete aus finanziellen Gründen und wegen baulicher Mängel des Gebäudes 1890 mit seiner Schließung.

Seit 1895 – bis zum heutigen Tag – hat das Theater seinen Platz auf dem Gelände des ehemaligen Adelshofs der Familie von Romberg an der Neubrückenstraße. Hier wurde das nach dem Komponisten benannte Lortzingtheater am 29. November 1895 mit der Oper Zar und Zimmermann eröffnet. In diesem Haus erlebte 1910/11 erstmals Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen in Münster seine vollständige Aufführung. Ermutigt durch Erfolge im eigenen Haus gab das Münstersche Theater in vielen westfälischen Städten (u. a. Hamm und Rheine) und in Holland (u.a. Groningen und Leeuwarden) Gastspiele.

Im Kriegsjahr 1914 begonnen und 1920 fertiggestellt, entstand neben dem Lortzingtheater – u.a. zur Entlastung des Spielbetriebs – eine Stadthalle mit 1.200 Besucherplätzen, die den vielfältigen Bedürfnissen der stetig wachsenden Stadt gerecht werden konnte und weitgehend für Konzerte genutzt wurde. Am 3. Juli des Kriegsjahres 1918 fassten die Stadtverordneten der Stadt Münster den Beschluss zur Gründung eines eigenen städtischen Orchesters (heute: Sinfonieorchester Münster). Bis dahin wurden die notwendigen Orchesterdienste bei Musiktheateraufführungen und Konzerten durchweg von Militärkapellen geleistet. Das bis zum Beginn des 2. Weltkrieges mit vielen renommierten Namen verbundene reiche Theater- und Konzertleben fand mit der Zerstörung des Lortzingtheaters (9./10. Juli 1941) und der Stadthalle (30. September 1944) sein jähes Ende (Münsters Innenstadt wurde insgesamt zu 95 Prozent zerstört).

Schon im November 1945 wurde der Spielbetrieb mit Schauspielaufführungen im erhalten gebliebenen, früheren Foyer der Stadthalle wieder aufgenommen. Ab 1947 gab es dann eine zweite Bühne in der Aula des Schillergymnasiums; weitere provisorische Bühnen befanden sich im Schlossgarten und im Lindenhof. Trotz der schwierigen Nachkriegsverhältnisse erfolgte bereits am 16. Mai 1954 die Grundsteinlegung für ein neues Theater an der Neubrückenstraße, das am 4. Februar 1956 als Neues Haus (später: Großes Haus) der Städtischen Bühnen Münster mit Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Zauberflöte eröffnet wurde. Der Neubau, für den die Architekten Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau verantwortlich zeichneten, war der erste Theaterneubau in Deutschland nach dem Krieg und wurde weltweit als Donnerschlag in der Theaterarchitektur gefeiert. Das gesamte Gebäudeensemble steht heute unter Denkmalschutz.

Das Große Haus bietet 955 Zuschauern Platz. Mit der Eröffnung am 5. November 1971 wurde ihm das Kleine Haus an die Seite gestellt, das ursprünglich als große Probebühne und Studio für gelegentliche Aufführungen geplant war, sich aber schon bald als eine zweite, feste Spielstätte etablierte. Mit seinen variablen Anordnungen der Spielflächen und Podesterien ist das Kleine Haus, das bis zu 300 Zuschauern fasst, inzwischen ein von vielen Regisseuren besonders geschätzter Ort für moderne, experimentelle Theaterformen. 2012 wurden die Städtischen Bühnen Münster in Theater Münster umbenannt.

Der Spielplan online - Theater Zeitschrift mit aktuellem Theater Programm

Rebhuhnweg 3
38108 Braunschweig

Tel.: +49 (0)531-3104962
Fax: +49 (0)531-352266

info(at)der-spielplan.de

 

 

Aufgrund der verschärften Maßnahmen in Bezug auf die Corona-Krise ist die Website leider nicht tagesaktuell.
Bitte entnehmen Sie die neuesten Informationen der Tagespresse.
Bleiben Sie gesund, Ihre SPIELPLAN-Redaktion