SPIELZEIT 2017/2018

Theater Bonn: Nō Nō Nō Tücken und Abgründe des amerikanischen Traums

Theater Bonn, NŌ NŌ NŌ – TÜCKEN UND ABGRÜNDE DES AMERIKANISCHEN TRAUMS, © Thilo Beu

Theater Bonn

NŌ NŌ NŌ – Tücken und Abgründe des amerikanischen Traums

Ein Projekt von Gavin Quinn und Ensemble
Uraufführung: 10. April 2018
Weitere Aufführungen: 18. / 20. April, 18. Mai. 6. / 20. / 28. Juni

Zum Stück:

Kurz vor der Eröffnung des neuen „Nō Nō Nō“-Supermarkts hat sich Filialleiterin Olivia hohe Ziele gesetzt: Hier soll das ultimative Konsumparadies für den Kunden entstehen, das vor allem durch die systematisch konditionierte Freundlichkeit seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen besticht. Doch diese müssen erst noch angelernt werden - eine Aufgabe, die nicht zu unterschätzen ist, vor allem dann nicht, wenn am großen Tag der Eröffnung der ersehnte Kundensegen ausbleibt und die tüchtigen Ausgestellten nicht mehr wissen wohin, mit ihrer antrainierten Freundlichkeit.

Nach SCHÖNE NEUE WELT und DER STURM inszeniert der irische Regisseur und künstlerische Leiter der international hoch renommierten Theater-Company PAN PAN THEATRE Gavin Quinn zum ersten Mal auf der Werkstattbühne des THEATER BONN. Gemeinsam mit dem Ensemble entwickelt er ein neues Projekt, das sich in einer performativen Auseinandersetzung den skurrilen Reizen und bitterbösen Abgründen unserer globalisierten Konsumgesellschaft annimmt.

 

 

 

Anhaltisches Theater Dessau: Das Bild des Dorian Gray

Anhaltisches Theater Dessau, Das Bildnis des Dorian Gray, © Claudia Heysel

Das Bildnis des Dorian Gray

Das Bildnis des Dorian Gray

Ballett von Tomasz Kajdański
nach Oscar Wildes gleichnamigem Roman zur Musik von Alexander Skrjabin
Uraufführung: 23. März 2018
Weitere Aufführungen: 31. März, 7. / 22. April, 26. Mai. 17. Juni

Zum Stück:

Der Maler Basil Hallward porträtiert Dorian Gray, von dessen Schönheit und unschuldiger Jugend er besessen ist. Unter dem Einfluss des zynischen Lords Henry setzt der unerfahrene Dorian Gray sich immer neuen Abenteuern und Genüssen aus. Lord Henry macht aus Dorians Leben schrittweise ein strahlendes Kunstwerk, dessen Perfektion sich Leben und Tod der Menschen in Dorians Nähe unterzuordnen haben. So wie Lord Henry sich in dem von ihm geschaffenen Leben des Dorian Gray spiegelt, so sieht Dorian das Ergebnis seines von Luxus und Sinnen­taumel geprägten Daseins in dem Gemälde ­Hallwards, das er aufbewahrt: Während er selbst makellos schön bleibt, verzerrt sich das Porträt zunehmend zu einer grässlichen Fratze, die die Verrohung Grays spiegelt. Als der Maler ihn besucht, als er Dorian ins Gewissen reden will und in dem Bild eine »furchtbare Lektion« erkennt, ermordet ihn Gray. Dieser Mord ist der Vorbote des eigenen Untergangs – der Selbstvernichtung Dorians.

Oscar Wildes einziger Roman Das Bildnis des Dorian Gray löste Ende des 19. Jahrhunderts einen Skandal aus, denn Wilde stellt Schön und Hässlich an die Stelle von Gut und Böse – Kunst statt Moral. Das Schöne soll stilvoll und formvollendet sein. Ob dieses Schöne etwas bedeuten kann oder will, bleibt ungeklärt. Vielleicht umhüllt es ein Nichts. Sinnesrausch und gleißende Schönheit im Reich der Klänge fühlbar zu machen, das war das Ziel des russischen Komponisten Alexander Skrjabin. Skrjabin wollte alle Sinne, überhaupt das ganze Leben zu einem Kunstwerk machen. Wie anders als in der unerhört rauschhaften Musik dieses Visionärs kann das Schicksal von Wildes Helden hörbar werden? Skrjabin wollte allerdings den Blick auf eine jenseitige Welt richten, für ihn war die Schönheit seiner Musik mit absoluter Bedeutung aufgeladen. Tomasz Kajdański gewinnt aus dem spannungsvollen Kontrast zwischen zynischem Ästhetizismus und mystischem Symbolismus die Funken für seine Choreografie.

 

 

 

Staatstheater am Gärtnerplatz München: Pumuckl - Das Musical

Staatstheater am Gärtnerplatz, Pumuckl - Das Musical, © Staatstheater am Gärtnerplatz

Pumuckl - Das Musical

von Franz Wittenbrink und Anne X. Weber nach Ellis Kaut
Uraufführung: 19. April 2018
Weitere Aufführungen: 21. / 24. / 25. / 28. April, 3. / 7. / 9. / 17. / 24. Mai, 9. / 25. Juni, 22. / 23. Juli

Zum Stück:

»Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand was meckt!« Das glaubt zumindest der kleine reimverliebte Kobold mit den roten Haaren, bis er schließlich an einen Leimtopf in Meister Eders Schreinerwerkstatt gerät. Und wenn ein Kobold an etwas Menschlichem kleben bleibt, dann wird er plötzlich sichtbar und muss bei demjenigen leben, der ihn entdeckt. Das ist Koboldsgesetz, und daran kann auch der Meister Eder nichts ändern und muss sich damit abfinden, dass von nun an nichts mehr so ist, wie es vorher war. Denn für alle anderen Menschen bleibt Pumuckl weiterhin unsichtbar, und Meister Eder muss nun für alles haften, was der kleine Kobold ausheckt. Doch bald schon kann sich der alte Junggeselle ein Leben ohne den liebenswürdigen Quälgeist nicht mehr vorstellen…

 

 

Komödie am Kurfürstendamm Berlin: Die Niere

Komödie am Kurfürstendamm Berlin, Die Niere, © Michael Petersohn

Die Niere

von Stefan Vögel
Uraufführung: 4. März 2018
Weitere Aufführungen: 6.-11. / 13.-18. / 20.-25. / 27.-31. März, 1. / 3.-8. / 10.-15. April

Zum Stück:

Nach einer gemeinsamen Vorsorgeuntersuchung kommen Arnold, ein erfolgreicher Architekt, und seine Ehefrau Kathrin nach Hause. Er ist kerngesund, doch bei ihr wurde ein Nierenleiden festgestellt, weswegen sie eine Spenderniere braucht. Was nun? Die beiden erwarten jeden Augenblick Besuch von ihren Freunden Diana und Götz, mit denen sie einen sensationellen Auftrag feiern wollen, den Arnold an Land gezogen hat. Doch nun steht ganz klar die Frage im Raum: Ist Arnold bereit, seiner Frau eine Niere zu spenden? Er ist überfordert und zögert – umso mehr Überraschung löst sein Freund Götz bei allen Beteiligten aus: Er hat die passende Blutgruppe und bietet sofort an, eine Niere für Kathrin zu spenden. Nun bricht ein regelrechter Hahnenkampf um die Organspende aus, bei dem alle Beteiligten Federn lassen müssen.

Stefan Vögel hat eine Komödie geschrieben, die nicht an die Nieren, sondern ans Herz geht. Seine Ping-Pong-Dialoge werfen die Frage auf, woran sich eine Liebesbeziehung misst. Und am Ende stellt sich die alles entscheidende Frage: Liebling, was bist Du bereit, für mich zu tun?

 

 

Theater Bonn: Der letzte Bürger

Theater Bonn, Der letzte Bürger, © Thilo Beu

Der letzte Bürger

von Thomas Melle
Uraufführung: 25. Januar 2018
Weitere Aufführungen: 31. Januar, 4. / 17. / 23. Februar, 8. März

Zum Stück:

Thomas Melles Auftragswerk für das THEATER BONN erzählt die Geschichte der Bonner Familie Clarenbach, deren Vater Leo (Wolfgang Rüter) im Sterben liegt. Ein letztes Mal findet er sich im Kreise seiner Familie wieder, ein letztes Mal werden die Erinnerungen an früher wach. Erinnerungen an ein perfektes Leben, eine perfekte Familie. Doch dann zerspringt 1990 mit dem Mauerfall auch das Familienglück, als bekannt wird, dass Leo jahrelang für die DDR spioniert hat.

Thomas Melles Theaterstück ist ein Requiem auf ein Bürgertum, dessen Selbstverständnis nicht ohne politische Mitgestaltung und gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu denken war. „Die quasi-bürgerliche Schicht denkt sich heute nicht mehr politisch, nur noch privat. Und das Private ist nicht mehr das Politische. Bei den Clarenbachs war das, sogar gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen, noch der Fall“, so Melle im Gespräch mit Dramaturgin Johanna Vater.

Thomas Melle (*1975 in Bonn) ist Autor mehrerer Theaterstücke und Romane, mit denen er bereits mehrfach auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Nach dem vielbeachteten Stück BILDER VON UNS, ist DER LETZTE BÜRGER Melles zweite Auftragsarbeit für das THEATER BONN. Alice Buddeberg arbeitet als freischaffende Regisseurin und inszeniert u.a. in Hamburg, Frankfurt und Weimar. Am THEATER BONN realisierte sie als Hausregisseurin zahlreiche Arbeiten und gehört zu den prägenden Handschriften des Hauses.

 

 

Oper Frankfurt: Enrico

Oper Frankfurt, Enrico, © Barbara Aumüller

Enrico

von Manfred Tojahns - Dramatische Komödie in neun Szenen
Frankfurter Erstaufführung: 21. Januar 2018
Weitere Aufführungen: 23. / 25. / 27. / 29. / 31. Januar, 2. / 4. Februar

Zum Stück:

Wahn oder Nichtwahn — das ist hier die Frage! Einst war Enrico bei einem Maskenzug vom Pferd gestürzt, verkleidet als König Heinrich IV., seine damals vergeblich angebetete Matilda im Gewand der Marchesa di Toscana an seiner Seite. Als er aus seiner Ohnmacht erwachte, machte man sich — allen voran sein Rivale Belcredi — einen Spaß daraus, ihm weiterhin als König Heinrich IV. zu begegnen. Was als Spiel begonnen hatte, war über zwanzig Jahre hinweg zur Realität des vermeintlich Wahnsinnigen geworden. Bis sich irgendwann die Frage stellt, wer hier eigentlich der Spielmacher ist und warum jene konstruierte Wirklichkeit in dem Moment ins Wanken gerät, in dem es um echte Emotionen, um Leben und Tod geht.

Luigi Pirandellos Drama Enrico IV. diente als Vorlage für Manfred Trojahns 1990 uraufgeführte Oper. Eingebettet in das grazile Klangbild eines kleinen Orchesters verbinden sich seine musikalischen Mittel und das knappe Libretto von Claus H. Henneberg bei dem permanenten Fokus auf die dramatische Situation zu einer Präzisierung der Charaktere und einer Zuspitzung der von Pirandello vielfach exponierten Prämisse: »Jeder macht sich seine Maske zurecht, wie er’s vermag — die äußere Maske.« Viel deutlicher noch als im zugrundeliegenden Theaterstück steht in der Oper das zeitlos tragisch leidende Individuum innerhalb eines schicksalhaften Miteinanders im Zentrum. Die neun Szenen seiner Dramatischen Komödie, welche von einem zurückgenommenen, reflektierenden Notturno geteilt werden, strukturiert Trojahn mithilfe von Chiffren, wiederkehrendem Material, bestimmten Orchesterimpulsen und dem äußerst differenzierten Tempo seiner Operndramaturgie. Dabei leugnet sein Stil nie die Tradition der Gattung Oper, so wie sein Gesamtwerk nie der verbreiteten Tendenz Neuer Musik zur Isolation folgt. Trojahn findet in Enrico einen eigenständigen Ausdruck für das, was ihn selbst an der literarischen Vorlage fasziniert: der Stoff, seine Figuren, seine Schlagkraft.

 

 

Die Badische Landesbühne Bruchsal: Auschwitz meine Liebe

Die Badische Landesbühne Bruchsal, Auswitz meine Liebe, © Sonja Ramm

Auswitz meine Liebe

von Holger Schober
Uraufführung: 19. Januar 2018
Weitere Aufführungen: 27. Januar, 21. / 28. Februar, 8. / 9. / 19. März
Weitere auswärtige Aufführungen siehe Spielplan

Zum Stück:

Salomon hat heute Geburtstag. Das hat er so beschlossen, denn seinen wirklichen Geburtstag kennt er nicht. Nach dem Krieg war niemand mehr da, der ihm darüber hätte Auskunft geben können. Salomon ist Jude und sein Leben ist verknüpft mit einem Ort in Osteuropa – mit Auschwitz. Dort, im Konzentrationslager der Nazis, war er als Kind interniert. Nach der Befreiung stellte sich für ihn die Frage, was er mit seinem Leben anfangen will. Salomon wird Musiker, er heiratet, er wird Vater, er wird Großvater. Auschwitz aber wird ihn nie verlassen. Sein ganzes Leben ist geprägt von dem, was er im KZ erlebt hat. Trotz all dem Schlimmen, das die Nazis ihm angetan haben, blickt er nicht in Wut und Hass zurück. Er ist versöhnt mit seinem Schicksal, was seine Enkelin nur schwer verstehen kann.

Holger Schober, geboren in Graz, Studium der Germanistik und Anglistik sowie Schauspiel am Max Reinhard Seminar, schreibt seit 1997 für die Bühne. Er wurde für den Deutschen Jugendtheaterpreis nominiert, sein Stück Superman ist tot ist seit der Spielzeit 2013.2014 Teil unseres Repertoires. Das Klassenzimmerstück Auschwitz meine Liebe ist ein Auftragswerk der Badischen Landesbühne und wird von der Dr.-Bertold-Moos-Stiftung gefördert.

 

 

 

Theater Münster: Falsch

Theater Münster, Falsch, © Oliver Berg

Falsch

von Lot Vekemans
Dspr. EA: 29. November 2017
Weitere Aufführungen: 11. Dezember, 2. / 21. / 29. Januar 2018

Zum Stück:

Was ist in der Nacht auf der Rückfahrt von der Familienfeier passiert? Sis, eine bekannte Fernsehmoderatorin, und Kat, ihre Schwester, eine bekannte Schauspielerin, sitzen in einer Zelle bei der Polizei und werden nach einem tödlichen Verkehrsunfall der Fahrerflucht beschuldigt. Kat hat betrunken auf dem Rücksitz geschlafen, Sis saß am Steuer und erinnert sich nur daran, gegen eine Leitplanke gefahren zu sein. In der Isolation der Zelle verschwimmen die Kategorien von richtig und falsch und die Schwestern sind unausweichlich einander ausgeliefert. Es beginnt eine schonungslose Abrechnung. Als plötzlich ein Zeuge auftaucht, scheinen sich die Ereignisse der Nacht zu klären. Doch wie neutral ist dieser Fremde?

»Falsch«, 2013 in Gent von Johann Simons uraufgeführt und von der Königlichen Akademie für Niederländische Sprache und Kultur 2014 als bester Text ausgezeichnet, erinnert an Stücke von Harold Pinter oder Jean Paul Sartre. Vekemans ist in Deutschland vor allem durch das Stück »Gift. Eine Ehegeschichte« sowie ihren 2016 erschienenen Roman »Ein Brautkleid aus Warschau« bekannt. Das Theater Münster zeigt »Falsch« als Deutschlandpremiere.

 

 

Badische Landesbühne Bruchsal: Es wird schon nicht so schlimm!

Landesbühne Bruchsal, Es wird schon nicht so schlimm, © Sonja Ramm

Es wird schon nicht so schlimm!

Inszenierung Carsten Ramm
Uraufführung: 18. November 2017
Weitere Aufführungen: 21. / 22. November,
1. / 2. / 7. / 10. / 14. / 17. Dezember,
12.-14. / 19. Januar 2018, 2. Februar
Weitere auswärtige Aufführungen siehe Spielplan

Zum Stück:

Der Schauspieler Gregor Maurer und seine Kollegin Lilly Hollmann werden 1933 ein Paar, sie heiraten und bekommen ein Kind. Doch die jüdische Schauspielerin darf schon bald nicht mehr auftreten, ihr Mann dagegen macht Karriere am Theater und beim Film. Den Nationalsozialisten ist die Ehe des erfolgreichen Schauspielers ein Dorn im Auge und sie stellen ihn vor eine grausame Wahl: Entweder er lässt sich von seiner Frau scheiden oder seine Familie wird deportiert und er selbst an die Front geschickt.

Hans Schweikart war als Filmregisseur dem Druck der nationalsozialistischen Kulturpolitik ausgesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er lange Zeit Intendant der Münchner Kammerspiele. Seine Erzählung Es wird schon nicht so schlimm! beruht auf dem Schicksal des Schauspielers Joachim Gottschalk und seiner jüdischen Frau Meta, die sich 1941 gemeinsam das Leben nahmen. Die Novelle war Vorlage für den Film Ehe im Schatten, einem der größten Kinoerfolge der Nachkriegszeit. Der Text galt lange als verschollen, bevor er 2014 von Carsten Ramm wiederentdeckt und als Buch herausgegeben wurde. Jetzt zeiget die Landesbühne die Uraufführung der Bühnenfassung.

 

 

D’Haus - Düsseldorfer Schauspielhaus - Junges Schauspielhaus - Bürgerbühne: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

D’Haus - Düsseldorfer Schauspielhaus -  Junges Schauspielhaus - Bürgerbühne: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte, © Thomas Rabsch

Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

Regie: Malte C. Lachmann
Uraufführung: 18. November 2017
Weitere Aufführung: 27. November, 1. / 7. / 25. / 31. Dezember
Foto: © Thomas Rabsch

Zum Stück:

Wer ist dieser Mann mit dem grauen Mantel, der so plötzlich und unscheinbar aufgetreten ist? Der jetzt Nähe sucht, ganz allgemein zu den Menschen, zum Erzähler dieser Geschichte aber im Besonderen? Er zieht in Hauswänden Schubladen auf, die vorher nicht da waren und in denen sich Welten verstecken, von denen auch niemand eine Ahnung hatte. Er lässt die steinernen Löwen vor der Feldherrnhalle durch Reifen springen und dirigiert kleine Regenwolken bei heiterstem Himmel herbei – und das ist alles nur der Anfang einer so großartigen wie versponnenen Geschichte voll seltsamster Ereignisse. Dieser melancholische Alte, der gerne ein Glas Champagner trinkt: Ist das etwa Gott?

Wolfgang Reinbacher, der seit 1960 eine der Größen des Düsseldorfer Schauspielhauses ist, gibt diesen Alten und nimmt uns mit Moritz Führmann als Erzähler mit auf einen Spaziergang zu den kleinen und großen Geheimnissen des Universums.

„Es ist eine Erzählung über Gott, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe: als melancholischen Künstler, der Großes schaffen wollte und nun unglücklich ist mit dem, was daraus geworden ist, enttäuscht von sich selbst und auf der Suche nach Trost und Verzeihung.“ sagt Axel Hacke über sein Buch. Er zählt zu den beliebtesten Autoren Deutschlands. Einer breiten Leserschaft ist er bekannt durch seine Kolumnen in der Süddeutschen Zeitung, für deren Magazin er seit Langem wöchentlich schreibt. Seine Bücher wie »Der kleine Erziehungsberater« und »Der weiße Neger Wumbaba« wurden Bestseller.

Malte C. Lachmann inszeniert u. a. am Thalia Theater Hamburg, am Schauspielhaus Bochum, am Staatstheater Hannover und am Staatsschauspiel Dresden. In Düsseldorf stellte er sich erstmals mit seiner Inszenierung von Houellebecqs »Unterwerfung« vor.

 

 

Oper Frankfurt: Der Mieter

Oper Frankfurt, Der Mieter,© Barbara Aumüller
Oper Frankfurt, Der Mieter,© Barbara Aumüller

Der Mieter

Oper in drei Akten von Arnulf Herrmann
Text von Händl Klaus frei nach Motiven des Romans
Le Locataire chimérique (1964) von Roland Topor
Uraufführung: 12. November 2017
Weitere Aufführung: 16. / 18. / 24. / 29. November, 2. / 7. Dezember

Zum Stück:

 

Der 1968 in Heidelberg geborene Komponist Arnulf Herrmann studierte in München, Dresden, Paris und Berlin. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit führenden internationalen Ensembles für zeitgenössische Musik und verschiedenen Orchestern. Seine Werke werden im In- und Ausland gespielt und sind auf allen großen Festivals präsent (u.a. Donaueschingen, Witten, München, Wien). Seine Oper Wasser wurde 2012 bei der Münchener Biennale in Kooperation mit der Oper Frankfurt vom Ensemble Modern uraufgeführt, gefolgt von Vorstellungen im Frankfurt LAB.

Herrmanns Oper Der Mieter auf ein Libretto von Händl Klaus ist ein Auftragswerk der Oper Frankfurt und basiert auf Motiven des Romans Le Locataire chimérique (1964) von Roland Topor. Nach dieser Vorlage entstand auch Roman Polanskis Psychothriller Le locataire (Der Mieter) von 1976. Anders als Buch und Film konzentriert sich die Oper jedoch zentral auf die Frage der Anpassung. Wie weit ist man bereit zu gehen? Ein junger Mann bezieht ein Zimmer, dessen Vormieterin sich aus dem Fenster gestürzt hat. Unter dem unheilvollen Einfluss seiner Nachbarn gerät er in eine fatale Identitätskrise, die ihn dasselbe Schicksal wie die junge Frau erleiden lässt.

Die musikalische Leitung liegt im Rahmen seines Hausdebüts bei Kazushi Ōno, der seit 2008 als musikalischer Leiter der Opéra de Lyon wirkt. Daneben dirigiert der Japaner an internationalen Opernhäusern wie der Metropolitan Opera, der Wiener Staatsoper und der Mailänder Scala. Regisseur Johannes Erath ist regelmäßiger Gast an der Oper Frankfurt, wo er zuletzt 2014/15 Webers Euryanthe inszenierte. Zu seinen jüngsten Aufgaben gehört u.a. Offenbachs Les contes d’Hoffmann an der Dresdner Semperoper. Dort gastierte kürzlich Ensemblemitglied Björn Bürger (Georg) in der Titelpartie von Rossinis Il barbiere di Siviglia, nachdem er in Frankfurt als Debussys Pelléas und beim Glyndebourne Festival als Harlekin in Strauss’ Ariadne auf Naxos erfolgreich war. Die lyrische Koloratursopranistin Anja Petersen (Johanna) ist nach Stationen an den Theatern von Oldenburg und Augsburg freischaffend tätig und gastiert erstmals an der Oper Frankfurt. Im Rahmen ihrer internationalen Karriere kehrt die renommierte Mezzosopranistin Hanna Schwarz (Frau Bach) zurück nach Frankfurt, wo sie in den 70-er Jahren als Page neben Anja Siljas Salome und unter Christoph von Dohnányi eingesprungen war. Die übrige Besetzung stammt mit Alfred Reiter (Herr Zenk), Claudia Mahnke (Frau Greiner), Judita Nagyová (Frau Dorn), Michael Porter (Körner), Theo Lebow (Krell) und Sebastian Geyer (Ingo / Kellner) aus dem Ensemble.

 

 

 

Theater Oberhausen: Männer, die denken.

Axel J. Scherer

Männer die denken.

Regie: Daniel Mathéus - Co-Regie: Julia Mota Carvalho
Uraufführung: 10. November 2017
Weitere Aufführung: 17. / 18. / 29. November, 2. / 8. Dezember
Foto: © Axel J. Scherer

Zum Stück:

 

Wann hat der Mann beschlossen, das „stärkere“ Geschlecht zu sein? Und warum haben Frauen das eigentlich zugelassen? Der männliche Teil der Gesellschaft dreht das große Rad – ob in der Kultur, im Parlament, in Universitäten oder den Medien –, während wir uns gern bestätigen, wie sehr sich die Rollenbilder gewandelt haben. Männer und Frauen auf Augenhöhe? Klar doch! – Das Kollektiv Performing Group und das Ensemble – bestehend aus fünf Frauen und einem Mann – nehmen gesellschaftliche Rollenzuschreibungen unter die Lupe, betrachten „weibliche“ und „männliche“ Qualitäten und bewerten diese neu. Gleichberechtigung ist eine große Sache. Es geht um viel, zum Beispiel darum, allen Menschen zuzugestehen, dass sie Subjekte sind und Objekte sein können. Es geht um fair bezahlte Arbeit, Gender Studies, Machtverhältnisse. Und um Freiheit.

 

 

Staatstheater Oldenburg: ...un denn de Heven vull von Geigen

Staatstheater Oldenburg, ...un denn de Heven vull von Geigen, © Stephan Walzl

…un denn de Heven vull von Geigen

von Marc Becker
Niederdeutsch von Annegret Peters

Uraufführung: 15. Oktober 2017
Weitere Aufführung: 20. Oktober, 4. / 26. November
Foto: © Stephan Walzl

Zum Stück:

 

Sie reisen um die Welt, kaufen Tablets, sind körperlich und geistig fit und haben auch noch eine gehörige Portion Lebenserfahrung im Gepäck. Menschen über 60 Jahren sind heutzutage alles andere als altmodisch und gebrechlich. Aber kann man auch im hohen Alter eine neue Liebe finden? Sechs Senioren, drei Männer und drei Frauen zwischen 60 und 80 Jahren, haben den Schritt gewagt: Sie begeben sich auf die Suche nach einer neuen Partnerin oder einem neuen Partner – beim Speed Dating einer Kontaktbörse.

Sie hatten schon viele Begegnungen in ihrem Leben. Ob verwitwet, geschieden oder jahrelanger Single, jede und jeder bringt seine ganz eigenen Hoffnungen und Sehnsüchte mit. Doch was sie alle eint, ist das Bewusstsein über die eigene Vergänglichkeit, die Sehnsucht nach Nähe und die Bereitschaft, sich dafür einem wildfremden Menschen auszuliefern.

Wie mache ich einen guten ersten Eindruck? Bin ich vielleicht zu langweilig? Wie flirtet man eigentlich nochmal und wie geht es nach einem vielversprechenden Gespräch weiter? Vom Flirt-Coaching, kleinen Tanzeinlagen bis hin zum spannungsreichen Speed Dating hat diese Kontaktbörse alles zu bieten, was die Chance auf das passende Herzblatt größer macht. Doch findet hier jede und jeder genau das, was sie oder er sucht?

Der Autor und Regisseur Marc Becker, der bereits zum vierten Mal für das Niederdeutsche Schauspiel engagiert wurde, wird exklusiv für das Ensemble der August-Hinrichs-Bühne ein amüsant-berührendes Stück über die Frühlingsgefühle im hohen Alter schreiben — welches unter seiner Regie auch im stürmischen Herbst kein Publikumsherz kalt lassen wird.

 

 

Landestheater Linz: Music for a while

Landestheater Linz, Music for a while, © Vincenzo Laera

Music for a while

Tanzstück von Mei Hong Lin
Uraufführung: 14. Oktober 2017
Weitere Aufführung: 27. Oktober, 6. / 13. / 16. /18. / 21. November, 17. Dezember
Foto: © Vincenzo Laera

Zum Stück:

Inspiriert von Henry Purcells gleichnamigem Lied nimmt Tanzdirektorin Mei Hong Lin in Music for a while die Metapher des Tanzes selbst als Bild für das menschliche Leben auf.

Ein Tanzsaal, Ort der Feier, des Rausches, der Entgrenzung vom eigenen Ich, wird zum kleinen Welttheater, der Zuschauer zum Beobachter vorübergehender Episoden.

Wir begegnen Menschen voller Vitalität und Lebensfreude, werden Zeuge von Annäherung und Verführung, von Einsamkeit, Schmerz und Verlust, Lebensfeier und -krise. Christina Pluhar und ihr Ensemble L‘Arpeggiata verbinden Elemente Alter Musik mit Komponenten des Jazz und spiegeln damit die Möglichkeiten der Entgrenzung auf musikalischer Ebene wider.

 

 

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau: Der Fleck

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau, Der Fleck, © Pawel Sosnowski

Der Fleck

von Joanna Mazurs
Uraufführung: 6. Oktober 2017
Weitere Aufführung: 20. / 25. Oktober, 11. November
Foto: © Pawel Sosnowski

Zum Stück:


Das Stück »Der Fleck« der polnischen Autorin Joanna Mazur wurde im vergangenen Jahr beim internationalen Dramenwettbewerb »Talking about Borders« mit dem zweiten Platz ausgezeichnet und nun am Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theater als Uraufführung gezeigt.

Das Stück »Der Fleck« der polnischen Autorin Joanna Mazur wurde im vergangenen Jahr beim internationalen Dramenwettbewerb »Talking about Borders« mit dem zweiten Platz ausgezeichnet und nun am Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theater als Uraufführung gezeigt.
Als ein neuer Mitarbeiter zu dem bestehenden Team hinzustößt, treten die, sich aus diesem Miteinander sich ergebenden Spannungen unweigerlich an die Oberfläche. Während ein Teil der Belegschaft den Umsturz plant, fordert die Enge der Insel ein Opfer…

Regisseur Jürgen Escher ist am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau längst kein Unbekannter mehr. Zuletzt inszenierte er in der Spielzeit 2015/15 Schillers »Maria Stuart« - damals noch mit seiner Frau Barbara.
Für das Schauspiel »Der Fleck«, das im Rahmen der trinationalen Theaterinitiative J-O-Ś als Uraufführung gezeigt wird, hat er ein internationales Produktionsteam um sich versammelt: Sowohl die Kostümbildnerin Petra Goldflamová Štětinová als auch der Bühnenbildner David Marek stammen aus Tschechien. Auf der Bühne stehen Schauspieler aus Deutschland, Polen und Tschechien.

 

 

 

Stadttheater Klagenfurt: Hier stehe ich - ich kann nicht anders

Stadttheater Klagenfurt, Hier stehe ich - ich kann nciht anders, © Stadttheater Klagenfurt

Hier stehe ich  - ich kann nicht anders

Theaterprojekt zu Martin Luther von Cesare Lievi  -
Zwölf szenische Fragmente / Auftragswerk des Stadttheaters Klagenfurt
Uraufführung: 5. Oktober 2017
Weitere Aufführung: 7. / 10. / 12. / 13. / 18. / 28. Oktober, 3. / 8. November
Foto: © Stadttheater Klagenfurt

Zum Stück:

 

„Hier stehe ich – ich kann nicht anders” soll Martin Luther vor den größten Autoritäten seiner Zeit, dem Kaiser und dem Papst, ausgesprochen haben. Für welche Überzeugungen stehen wir noch ein? Cesare Lievi geht mit vier deutsch- und vier italienischsprachigen SchauspielerInnen in zwölf szenischen Fragmenten auf eine theatralische Suche. Das Projekt ist in Kooperation mit Theatern in Rom und Bologna entstanden und wird im Januar und Februar 2018 in Rom, Bologna, Modena und Cesena gezeigt.

1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen gegen den päpstlichen Ablasshandel und leitete damit das Zeitalter der Reformation ein. Was ist 500 Jahre danach von diesem historischen Ereignis, das die Kirche spaltete und den längsten Glaubenskrieg aller Zeiten auslöste, geblieben? Und welche Rolle spielt dieser Einschnitt in der Glaubensgeschichte Europas heute in unserem Alltag, in unserer Denk- und Lebensweise? Wie steht es heute um Gott, den Glauben, die Gnade, die Sakramente, die Erlösung, die Wahrheit und die Macht des Wortes? Sind diese Themen in unserem laizistischen und säkularisierten Weltbild noch aktuell? Führt der Glaube, vor allem der Glaube an einen einzigen Gott, zwingend zu Intoleranz und Fanatismus? Konnte Luthers einstmals revolutionärer Gottesbegriff überdauern? Tragen wir Menschen den göttlichen Funken für alle Ewigkeit in uns oder sind wir nichts weiter als vergängliche Wesen in einem kalten Universum?

 

 

Nationaltheater Mannheim: Wie kann ich dich finden, zu mir ziehen und überreden zu bleiben

Nationaltheater Mannheim, Wie kann ich dich finden, zu mir ziehen und überreden zu bleiben, © Christian Kleiner

Wie kann ich dich finden, zu mir ziehen und überreden zu bleiben

von Anja Hilling
Uraufführung: 27. September 2017
Weitere Aufführung: 29. September, 8. / 18. Oktober,
Foto: © Christian Kleiner

Zum Stück:

Es beginnt mit einem Abendessen. Um das Erlangen ihrer Doktorwürde zu feiern, hat Vic Freunde und Familie zu sich eingeladen, darunter ihre Mutter und ihren Ex-Freund, ihren Professor und die Nachbarin. Im zweiten Teil folgt man den Gästen, die sich zu vier Paaren gefunden haben, in den nächtlichen Park, eine Hochhauswohnung, einen Club und auf eine Demonstration. In ständiger Bewegung switchen die Figuren zwischen Psychologie und Auflösung, und die erotischen Begegnungen ihrer Körper oszillieren zwischen Erregung und Distanz. Nach dem Rausch folgt das Erwachen und der Versuch, den Alltag als Paar zu meistern.

Angeregt von Ovids Lehrgedicht »Liebeskunst «, hat Anja Hilling ein Stück über die Liebe in heutigen Großstädten geschrieben. Die Geschichte ist einfach: Wir geben unsere Einsamkeit auf, lassen uns aufeinander ein, haben Sex, halten uns und verlieren uns wieder.

Anja Hilling erhielt für ihre Stücke (u. a. Mein junges idiotisches Herz, Schwarzes Tier Traurigkeit, Sinfonie des sonnigen Tages), die auch in Frankreich und Schweden gespielt werden, zahlreiche Auszeichnungen. Friederike Heller inszenierte u. a. am Thalia Theater Hamburg, am Schauspiel Stuttgart, am Residenztheater München und an der Berliner Schaubühne. Wie kann ich dich finden ist ihre erste Regiearbeit am Nationaltheater.

 

 

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin gGmbH: Vor dem Fest

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin gGmbH, Vor dem Fest, © Hans-Dieter Hentschel

Vor dem Fest

Nach dem Roman von Saša Stanišić
für die Bühne bearbeitet von Nina Steinhilber und Martin Nimz
Uraufführung: 22. September 2017
Weitere Aufführung: 24. September, 1. / 12. / 27. Oktober,
7. / 23. November, 9. Dezember, 5. / 11. / 14. / 28. Januar 2018 
Foto: © Hans-Dieter Hentschel

Zum Stück:

Es ist die Nacht vor dem Fest in einem Dorf in der ostdeutschen Provinz. Wer in dieser Nacht auf den Beinen ist, will noch etwas zu Ende bringen. Vor dem großen Tag, von dem keiner so genau weiß, was eigentlich gefeiert wird: „Nichts jährt sich, nichts endet oder hat an genau diesem Tag begonnen. Vielleicht feiern wir einfach, dass es das gibt: Fürstenfelde. Und was wir uns davon erzählen.“ Saša Stanišić erzählt von den Schlaflosen dieser Nacht. Ihre Geschichten, schräg und poetisch, traurig und verloren, eigenwillig und berührend, verbinden sich mit den alten Sagen und Legenden zur Biographie eines Dorfes, das bei Stanišić in der Uckermark liegt, das aber auch irgendwo zwischen Seen und Feldern auf dem Land in Mecklenburg- Vorpommern sein könnte.

Saša Stanišić stammt nicht aus Fürstenfelde, sondern aus Višegrad in Bosnien-Herzegowina, wo er 1978 geboren wurde. Während des Bosnienkrieges flüchtete er mit seinen Eltern nach Deutschland. Heute lebt und arbeitet er in Hamburg. Sein Roman „Vor dem Fest“ war ein „Spiegel“-Bestseller und wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2014 und dem Alfred- Döblin-Preis ausgezeichnet.

Martin Nimz inszenierte u. a. am Schauspiel Frankfurt, am Staatsschauspiel Dresden, am Theater Bonn und an den Staatstheatern in Braunschweig, Karlsruhe und Saarbrücken. Seit 2016/2017 ist er Schauspieldirektor am Mecklenburgischen Staatstheater, wo er in der ersten Spielzeit Goethes „Faust“, Brechts „Leben des Galilei“ und „Das Versprechen“ nach dem Roman von Friedrich Dürrenmatt auf die Bühne brachte. Saša Stanišićs preisgekrönten Roman inszeniert er zur Eröffnung der Spielzeit 2017/2018 als großes Ensemblestück.

 

 

 

Deutsches Theater Göttingen: Fräulein Agnes

Deutsches Theater Göttingen, Fräulein Agnes, © GK+

Fräulein Agnes

Komödie von Rebekka Kricheldorf
Uraufführung: 22. September 2017
Weitere Aufführung: 27. September 
Foto: Frl Agnes, © GK+

Zum Stück:

Nach dem fulminanten Erfolg von Rebekka Kricheldorfs »Homo Empathicus« zur Eröffnung der Spielzeit 2014/15 hat das Deutsche Theater Göttingen die Autorin erneut gebeten, ein Stück für das Göttinger Ensemble zu schreiben.

Agnes betreibt den Blog »Fräulein Agnes«, auf dem sie leidenschaftlich alles rezensiert, was im weitesten Sinne mit Kultur und Lifestyle zu tun hat. Rezensieren heißt in ihrem Falle, dass sie schonungslos die Schwächen der von ihr besprochenen Kunstwerke und Künstler benennt. Man könnte auch sagen, dass sie alles niederschreibt, was ihr vor die Tastatur kommt. Denn Agnes ist ehrlich, immer, überall und gegenüber jedem, radikal und kompromisslos. Das hat ihr eine gewisse soziale Isolation eingebracht, denn in der Kultur- und Medienbranche, in der ja die Geschmeidigkeit des Umgangs miteinander Überlebensgrundlage ist, hat sie sich den Ruf erworben, eine Misanthropin zu sein.

Rebekka Kricheldorf zeichnet ein Portrait der kreativen Bohème und schreibt über ihre Titelfigur: »Ist also Agnes, die Tugendwächterin, nicht die einzige integre Persönlichkeit in einer Meute verlogener, feiger Schranzen, sondern nur eine eitle Provokateurin, die zu Recht aus der Gemeinschaft verstoßen werden muss, da ihre Weigerung, die subtilen Spielregeln der Wahrheitsinterpretation, die das Miteinander erst erträglich machen, zu erlernen, nichts anderes ist als ein gefährlicher Mangel an Menschlichkeit?«

Rebekka Kricheldorf:

Rebekka Kricheldorf studierte an der Humboldt-Universität Berlin Romanistik und absolvierte den Studiengang Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Sie schrieb Auftragswerke für das Staatstheater Stuttgart, das Theater am Neumarkt Zürich, das Staatstheater Kassel und für das Deutsche Theater in Berlin. Sie war Hausautorin am Nationaltheater Mannheim und am Theaterhaus Jena, wo sie auch als Dramaturgin und Mitglied der künstlerischen Leitung tätig war. Für das Deutsche Theater Göttingen schrieb sie bereits »Homo Empathicus« (eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen 2015) und »In der Fremde« (2015/16).

> weiter zur vorläufigen Endfassung

 

 

 

Contrakreis Theater Bonn: Ich weiß...was du im Sommer 2037 tun wirst

Contrakreis Theater Bonn, Ich weiß...was du im Sommr 2037 tun wirst, © Contrakreis Theater Bonn

Ich weiß...was du im Sommer 2037 tun wirst

Ein Theaterstück von Bernard Paschke
Uraufführung: 20. August 2017
Weitere Aufführungen bis 31. August 
Foto: © Contrakreis Theater Bonn

Zum Stück:

Wir tippen das Jahr 2037.
Die Technik ist so weit fortgeschritten, dass sich niemand von uns mehr ein Leben ohne all ihre nützlichen Errungenschaften vorstellen kann. Wir, das sind Zoe, Katja, Marvin, Finn und Adrian. Wir waren Freunde, wir fünf.

Und die technischen Errungenschaften, das sind die Nährstoffpräparate, das Beamen und vieles mehr, aber vor allem eben… ICH. ICH ist die Sprachsoftware der Augmented-Reality-Kontaktlinsen, welche ja mittlerweile ebenfalls aus keinem Auge mehr wegzudenken sind. Nun ja, für uns jedenfalls nicht.

Unsere Eltern sahen das anders. Sie schickten uns fünf auf einen Campingtrip in den Wald, ohne moderne Technik, aber vor allem ohne Augmented-Reality-Kontaktlinsen und… Ohne ICH. Sie sagten: „So wie wir damals“. Quasi auf Entzug. Schwachsinn. Denn wie soll man bloß in einem Wald überleben? Wir wussten es jedenfalls nicht.

ICH wusste es. Wir hatten versprochen, ICH nicht zu fragen. Aber was sollte schon passieren, in einem einsamen Wald, nur wir fünf und eine Software, die für alle nur das Beste will? Wir hatten ja keine Ahnung…

 

 

Wolfgang-Borchert-Theater Münster: Die Schroffensteins - Eine Familienschlacht

Wolfgang-Bochert-Theater, Die Schroffensteins - Eine Familienschlacht, © Silvia Drobny

Die Schroffensteins - Eine Familienschlacht

Schauspiel. Russische Übersetzung Boris Pasternak/Tatiana Troitckaja.
Koproduktion mit dem Drama-Theater Rjasan / Russland. Deutsch / Russisch mit Übertiteln.

Bilinguale Uraufführung: 9. September 2017
Weitere Aufführungen: 10. September, 20.-22. Oktober
Foto: © Silvia Drobny

Zum Stück:

Zwei Häuser – eine Familie: Die Schroffensteins unterteilen sich in die Häuser Warwand und Rossitz. Sie verbindet ein uralter Erbvertrag: Stirbt der eine Zweig aus, erhält der andere den gesamten Besitz desselben. Das schürt seit Anbeginn Misstrauen. Als ein Junge ertrinkt, brodelt es gewaltig in der Gerüchteküche. Der Mordverdacht ist schnell ausgesprochen. Blinde Rachsucht sorgt für Hass und verstellt den Blick auf die Realität. Ein Miteinanderreden ist unmöglich geworden, denn ein Missverständnis jagt das andere und die Dynamik der Kriegsrhetorik entfesselt eine Spirale der Gewalt. Inmitten dieser in Feindschaft zerrissenen Welt sucht ein junges Paar zaghaft sein Glück. Und sucht für diesen Zauber der Liebe Zuflucht in einer Höhle – doch die Jagd auf sie ist längst eröffnet.

Eine sprachgewaltige, politische Tragödie der Missverständnisse zwischen zwei verfeindeten Familien, die den gleichen Ursprung haben – ein "Spaß zum Totlachen".

Heinrich von Kleist war Mitte Zwanzig, als sein erstes Stück Die Familie Schroffenstein 1803 anonym veröffentlicht wurde. 1804 folgte die Uraufführung in Graz. DIE SCHROFFENSTEINS – EINE FAMILIENSCHLACHT ist eine Koproduktion mit dem renommierten Drama Theater Rjasan, Münsters russischer Partnerstadt. Jeweils vier deutsche und russische Mitglieder beider Ensembles werden das Stück in deutscher und russischer Sprache zur bilingualen Uraufführung bringen.

 

 

SPIELZEIT 2016/2017

Schlosstheater Celle: Die Zeitung

Schlosstheater Celle, © Schlosstheater Celle, Die Zeitung


Die Zeitung

Stückentwicklung von Andreas Döring und Recherche von Harlad Wolff
Uraufführung: 7. April 2017
Weitere Aufführungen: 18. / 21. / 23. / 26.-28. / 30. April,
1. / 6. / 10. / 11. / 13. / 14. / 20. Mai
Foto: © Schlosstheater Celle

Zum Stück:

In der Zukunft läuft alles online, auch die Cellesche Zeitung ist eine App mit ungeahnten Möglichkeiten: Jeder CZ- Abonnent erhält seine persönliche Online-Ausgabe, so dass er nur das zu lesen bekommt, was er auch lesen will. Die Themen, die Sprache, die Bildwahl, Textlänge und die Kommentare – alles wird automatisch auf den Kunden zugeschnitten. Wo früher Redakteure saßen, agieren in dieser Zukunft die Programmierer und das Beschwerdemanagement.

In der Zukunft läuft alles online, auch die Cellesche Zeitung ist eine App mit ungeahnten Möglichkeiten: Jeder CZ- Abonnent erhält seine persönliche Online-Ausgabe, so dass er nur das zu lesen bekommt, was er auch lesen will. Die Themen, die Sprache, die Bildwahl, Textlänge und die Kommentare – alles wird automatisch auf den Kunden zugeschnitten. Wo früher Redakteure saßen, agieren in dieser Zukunft die Programmierer und das Beschwerdemanagement.

Die Mitarbeiter gehen auf Spurensuche in der Vergangenheit. Da taucht eine Erscheinung auf, die behauptet, als erster Herausgeber der CZ noch eine Rechnung offen zu haben. Das Vorhaben, DIE ZEITUNG neu zu positionieren, löst ungeahnte Bewegungen aus. Celle zeigt sich im Spiegel seiner Geister. Die Zeiten geraten durcheinander. Die Welt gerät aus den Fugen.

Das Schlosstheater Celle setzt sich in Kooperation mit der Cellesche Zeitung anlässlich deren 200jährigen Bestehens mit der Bedeutung von Medien in unserer Demokratie auseinander.

 

 

Theater Aachen: Die Wand

Theater Aachen, Die Wand, © Ludwig Koerfer


Die Wand

nach dem Roman von Marlen Haushofer
DEA: 12. April 2017
Weitere Aufführung: 13. April
Foto: Ludwig Koerfer

Zum Stück:

 

Geplant war nur ein kurzer Wochenendausflug – ihre Cousine und deren Mann hatten sie in ihre Jagdhütte abseits in den Bergen eingeladen. Doch als ihre Verwandten nach einem abendlichen Ausflug nicht zurückkehren und sie im Dorf nach ihnen schauen will, erwischt es sie kalt: Wie aus dem Nichts hat sich weiträumig eine gläserne undurchdringliche Wand hochgezogen und versperrt ihr den Weg.

Ihr Blick durch die Wand zeigt, dass die Welt – möglicherweise nach einer Katastrophe – von einem dubiosen Stillstand heimgesucht worden ist. Zurückgeworfen auf sich selbst, einen Hund, eine Katze, eine Kuh sowie einige Essensvorräte in der Hütte, begreift sie allmählich ihre Situation. Auf unabsehbare Zeit hat nun einzig die Natur das Sagen. »Ich fühlte weder Kummer noch Verzweiflung«, schreibt Marlen Haushofers namenlose Protagonistin in ihr Logbuch. Für uns kaum vorstellbar: eine Existenz jenseits des Luxus von Elektrizität, Supermarkt, Medien und – elementar – menschlicher Ansprache. Eine existenzielle Ausnahmesituation, die von Isolation und Zwang, aber auch Befreiung und Selbstfindung handelt.

 

 

Staatstheater am Gärtnerplatz: Jean und Antonín

Staatstheater am Gärtnerplatz, Jean,  Marie-Laure Briane
Staatstheater am Gärtnerplatz, Antonín,  Marie-Laure Briane


Jean und Antonín

Zwei sinfonische Ballette
von Michael Keegan-Dolan und Karl Alfred Schreiner

Uraufführung: 1. April 2017
Weitere Aufführungen: 3. / 4. / 6. / 8. / 9. / 12. April
Fotos: links Jean, rechts Antonín © Marie-Laure Briane

Zum Stück:

Lange Zeit standen Ballettkompositionen in Verruf, lediglich Gebrauchsmusik zu sein, die sich dem Tanz unterzuordnen hätten. Doch spätestens seit den großen Meisterwerken Peter I. Tschaikowskys herrscht Einigkeit darüber, dass Musik und Tanz, Klang und Bewegung nicht miteinander konkurrieren, sondern untrennbar zusammengehören. Die zunächst oft scharf kritisierte Idee, so genannte »absolute Musik« zu »vertanzen«, stammt aus der Zeit der berühmten Kompagnie »Ballets Russes«, die unter ihrem Gründer und Impresario Sergei Djagilew neue Maßstäbe im Tanztheater setzte und bewies, dass die Musik durch den Tanz nicht an Eigenständigkeit verliert, sondern eine neue Ebene dazugewinnt. Denn – um mit Igor Strawinsky zu sprechen: »Es genügt nicht, dass man Musik nur hören kann. Man muss Musik auch sehen können.«

Zwei Meisterwerke der Sinfoniegeschichte bilden die musikalische Substanz des sinfonischen Balletts »Jean und Antonín«. Die Sinfonie Nr. 7 des finnischen Komponisten Jean Sibelius aus den Jahren 1918–1924 sowie die Sinfonie Nr. 8 des Tschechen Antonín Dvořák von 1889 / 99 sind nicht nur Klassiker des Repertoires, sondern auch Höhepunkte der orchestralen Ausdruckskraft. Jede für sich ist ein Bekenntnis zur Heimat und zur Natur und bettet die menschliche Seele in die magische Aura der Schöpfung. Mit »Jean und Antonín« kreieren Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner und Gast-Choreograf Michael Keegan-Dolan, der als einer der renommiertesten irischen Tanzschöpfer der Gegenwart gilt, einen sinnlichen Doppelabend, in dem orchestrale Farben in virtuose Bewegungen übersetzt werden und die feierliche und dämmrige Urkraft der finnischen Zauberwelt auf die freudvolle wie melancholische Sphäre des böhmischen Landes trifft.

 

 

Theater Magdeburg: Elbes Quellgeist

Theater Magdeburg, © Wolfgang Krause Zwieback


Elbes Quellgeist

Eine sinnlich-experimentelle Schifffahrt von Wolfgang Kraus Zwieback
Uraufführung: 17. März 2017
Weitere Aufführungen: 25. März, 22. April
Foto: © Wolfgang Krause Zwieback

Zum Stück:

In der Uraufführung von »Elbes Quellgeist« widmet sich das Schauspielensemble in dieser Spielzeit erneut der Stadt Magdeburg und ihrem Wahrzeichen, der Elbe. Der Leipziger Schauspieler, Autor, Regisseur, Grafiker, kurz: Allroundkünstler Wolfgang Krause Zwieback heuert für dieses theatrale Experiment in Magdeburg an. Die Stadt ist für ihn alte neue Wirkstätte. Als Schauspieler war er im Ensemble der Magdeburger Kammerspiele engagiert und inszenierte bereits mehrfach im Theater Magdeburg, so zum Beispiel 2007 »MOZART LIEDER LICHT. Ein szenischer Liederabend«. Gegenwärtig arbeitet er freischaffend und entwickelt Soloabende, Performances und Stücke in Zusammenarbeit mit Tänzern, Musikern und Schauspielern, so zum Beispiel »Leben auf der Baldrianrakete – eine Weltraumoper« (2014) unter anderem mit Corinna Harfouch.

Die Kunst Wolfgang Krause Zwiebacks öffnet vergessene Darstellungsräume und Sprachwelten mittels experimenteller, performativer Praktiken. Der Versuch, Wolfgang Krause Zwiebacks Arbeiten einzuordnen und seine Kunst zu beschreiben, scheitert an der permanenten Veränderung seines Bühnenschaffens. Aus seinem 1983 gegründeten »Kabasurden Abrett« wurde ein »Theater der Sinne«: Der Regisseur und Inszenator erschafft hauptsächlich Geschichten aus funkelnder Sprache, sprudelnden Neologismen und mäandernden Gedankenspielen.

Zusammen mit vier Schauspielern des Magdeburger Ensembles (Iris Albrecht, Maike Schroeter, Raphael Kübler und Ralph Opferkuch) erforscht er die Elbe auf assoziative und theatrale Weise und entführt die Zuschauer auf eine Expedition der besonderen Art. Wohin die Reise geht und ob man wasserdichte Kleidung braucht, das verrät das Inszenierungsteam erst am Premierenabend von »Elbes Quellgeist«. Aber eines ist sicher: Dieses Experiment lässt einen neuen Blick auf einen von Deutschlands größten Flüssen zu.

Theaterei Herrlingen Ulm: Maria und die Callas

Theaterei Herrlingen Ulm, © Theaterei Herrlingen Ulm


Maria und die Callas

von Wolfgang Schukraft
Uraufführung: 16. März 2017
Weitere Aufführungen: 23. / 26. / 31. März, 1. / 7. / 8. / 13. / 15. April
Foto: © Theaterei Herrlingen

Zum Stück:

In Wolfgang Schukrafts Stück „Maria und die Callas“ , das am Donnerstag, 16.03. um 20 Uhr in der Theaterei Herrlingen als Uraufführung gezeigt wird, geht Maria Callas zwischen Träumen und Wachen auf  eine Reise durch ihr Leben.

„Einer der Gründe das Stück zu schreiben, war auch, der über den Tod hinausgehende Verleumdung von Maria Callas etwas entgegen zu setzen. Beispiel ist das Stück „Meisterklasse“ in dem Terrence McNelly sich nicht schämt, der Callas eine Abtreibung anzudichten.“, so Wolfgang Schukraft. Maria Callas ist die Diva assoluta, die „Göttliche“, die mit ihrer Schauspielkunst die Oper des 20. Jahrhunderts revolutionierte. Sie hat die Menschen bewegt und fasziniert wie keine andere Sängerin der Musikgeschichte der letzten hundert Jahre. Doch was für eine Persönlichkeit verbirgt sich hinter der schillernden Operndiva?

Als Privatperson wurde sie oft auf das Klischee der kapriziösen, skandalträchtigen Diva reduziert. Der Autor entwirft dagegen ein sehr privates Bild einer kompromisslosen, aber zutiefst unsicheren Frau, die schon zu Lebzeiten zum Mythos wurde. Er zeigt, wie sie immer darum gekämpft hat, glücklich zu werden, und wie unglücklich sie trotzdem wurde. Es war ihre Tragik, dass sich zwischen dem Mythos „Callas“ und dem Menschen „Maria“ immer tiefere Abgründe auftaten. „Meine lange Beschäftigung mit Maria Callas hat bestätigt, dass das Leben die aufregendsten Geschichten schreibt, und bei Maria Callas kann man hinzufügen, es schreibt auch die dramatischsten Geschichten. Es ist kein Wunder, dass Maria manche Opern fast ein Leben lang im Repertoire hatte. Das sagt mehr über sie als alle ihre Interviews. Darum sind auch Opernarien wichtiger Bestandteil meines Stückes.“ Es spielt und singt die Sopranistin Lauren Francis, Regie führt Franz Garlik.

Kartenservice: Theaterei 0731/268177.

Komödie am Altstadtmarkt Braunschweig: Halbgott in Nöten

Komödie am Altstadtmarkt Braunschweig
Komödie am Altstadtmarkt Braunschweig, Kalle Pohl, © Gabor Richter


Halbgott in Nöten

Komödie von Erich Virch - Inszenierung: Jan Bodinus
Uraufführung:  29. April 2017
Weitere Aufführungen: 30. April,
2. / 3. / 7. / 9.-12. / 21. / 23.-30. / 31. Mai, 1.-3. Juni
Foto: © Komödie am Altstadtmarkt Braunschweig / Gabriel Richter

Zum Stück:

„Feministin Julia Tiedemann springt im Dom während Messe nackt auf Altar!“ Beim Blick in die Morgenzeitung stehen Dr. Fritz Tiedemann (Kalle Pohl) die Haare zu Berge, denn er wartet gerade mit seiner Frau Irene im Gästehaus der Aloisiusklinik darauf, sich dem streng katholischen Institut als neuer Chefarzt zu empfehlen. Dummer Weise hat ausgerechnet sein Konkurrent Ottmar Köttner die Nacktmeldung über Tiedemanns Tochter schon entdeckt.

Krampfhaft versucht der verzweifelte Vater seine Tochter zu verleugnen, als sie auch schon auf der Flucht vor dem Presserummel zu Tür herein schneit. Auf ihren Spuren folgt der verliebte Golfballtaucher Kevin Müller, der davon träumt, sie zu heiraten. Flugs erklärt Tiedemann Julia zur braven Frau Müller. Julia will aber nicht Kevin, sondern den jungen Arzt Andi Löffler. Der ist Tiedemann als Schwiegersohn ebenso willkommen – bis er sich als sein außerehelicher Sohn entpuppt. Zu allem Überfluss erscheint Andis Mutter und erkennt in Tiedemann ihren verschollenen Liebhaber.

Im hektischen Bemühen, erotische und feministische Eskapaden vor der Kirchenmoral zu verbergen sowie die eben erst eingefädelte Geschwisterheirat doch wieder zu verhindern, kämpft sich Tiedemann tiefer und tiefer in die Katastrophe; er gesteht einen fiktiven Fehltritt auf Amrum, opfert seinen Schnurrbart und gerät unter eine antike Amphore, er gibt sich als sein Konkurrent Ottmar Köttner aus und die eigene Gattin als Geliebte, Irene will die Scheidung, Ex-Schwiegersohn in spe Andi trägt Röcke, drei lädierte Nasen brauchen Eisbeutel, und während schließlich die Sensationspresse anrückt, nimmt alles eine Wendung, mit der Tiedemann als letzter gerechnet hatte – der wahrhaftige Halbgott in Nöten! Diese irrsinnig rasante und pointenreiche Komödie ist Kalle Pohl auf den Leib geschrieben!

Schauspiel Köln: Ansichten eines Clowns

Schauspiel Köln


Ansichten eines Clowns

von Heinrich Böll
Uraufführung: 11. Februar 2017
Weitere Aufführungen: 16. / 19. / 21. Februar, 5. / 19. / 22. / 29. März
Foto: © Schauspiel Köln

Zum Stück:

Die Beziehung Hans Schniers zu seiner Freundin Marie ist Vergangenheit. Doch er kann sie nicht loslassen. Immer und immer wieder wird er von alptraumhaften Bildern und Figuren seines früheren  Lebens heimgesucht. Es wütet in ihm und er wütet mit. Aus der inneren Emigration heraus verteidigt er seine Wertmaßstäbe gegen die bundesdeutsche Restaurationsgesellschaft. Vehement selbstgerecht, wo er Gerechtigkeit fordert. In zwanghaft wiederkehrenden Erinnerungen arbeitet er sich an der Bigotterie katholischer Funktionäre und Bibelkreis-Laien, der Berechenbarkeit der Kulturbranche oder dem einträglichen Opportunismus der großbürgerlichen Eltern ab. Die Widersprüche im eigenen Handeln vermag Schnier dagegen nicht zu sehen.

Vor hundert Jahren wurde in Köln einer der prägendsten Schriftsteller und unabhängigsten Denker der späteren Bundesrepublik geboren: Heinrich Böll. Das Schauspiel Köln feiert den großen Sohn der Stadt mit einer Reihe von Veranstaltungen. Im Zentrum steht die Bühnenadaption seines 1963 veröffentlichten Romans ANSICHTEN EINES CLOWNS durch den Autor und Regisseur Thomas Jonigk. Das Psychogramm eines Abfälligen in einem Deutschland, in dem die Demokratie noch jung, die Wirtschaft ein Wunder und die Kirche einflussreich war.

Theater Dortmund: hell ein Augenblick

Theater Dortmund © Marcel Schaar


hell ein Augenblick

von Kay Voges mit Baumann / Kerlin / Schulz / Seier & Ensemble
Uraufführung: 11. Februar 2017
Weitere Aufführungen: 17. / 18. Februar, 1. / 18. / 26. März. 16. April, 12. Mai, 22. Juni
Foto: © Marcel Schaar

Zum Stück:

Kay Voges und sein Team wagen sich an ein neues Theater-Abenteuer für den MEGASTORE. Die Stückentwicklung hell / ein Augenblick ist die künstlerische Fortsetzung von Das Goldene Zeitalter und Die Borderline Prozession: Diesmal geht es um einen Grenzgang des Theaters zur Kunst der Fotografie.

Helligkeit und Dunkelheit tauschen ihre Plätze, die Bühne verwandelt sich in eine gigantische Dunkelkammer, die nur hin und wieder von Blitzlicht durchzuckt wird: 1/50 Sekunde Licht lässt vor den Augen der Zuschauer Bilder entstehen und wieder vergehen – und fragt nach dem Verhältnis von Bild, Abbild und der Flüchtigkeit des Moments: Kann der Augenblick jemals eingesammelt und auf ewig festgehalten werden?

hell / ein Augenblick ist eine Poetik der Fotografie, des Lichtbildes und der Menschen auf der Bühne, eine traurig-schöne Meditation über die einzige Konstante im Leben, der wir uns wirklich sicher sein können: die Vergänglichkeit.  

Zuschauern mit Dunkelangst, akuten Herzkrankheiten, einer Neigung zu Migräneanfällen und / oder Epilepsie wird dringend von einem Besuch der Vorstellung abgeraten.

Staatstheater Kassel: Das blaue Licht / Dienen

Staatstheater Kassel © M. Sturm


Das blaue Licht / Dienen

von Rebekka Kricheldorf 
Uraufführung: 10. Februar 2017
Weitere Aufführungen: 17. / 25. Februar, 4. März, 29. April, 13. Mai, 10. / 17. Juni
Foto: © M. Sturm

Zum Stück:

Der Krieg geht weiter. – Ich spür ihn wie unter dem HemdeDas trockene Brusthaar, das sich beim  Atmen bewegt

Ein Soldat, ein junger? ein alter? kehrt heim. Sein König grüßt ihn kühl. Im sogenannten »Frieden« hat der Soldat als Werkzeug ausgedient. Die Heimat erlaubt ihm nur, sie Heimat zu nennen, weil und während er für sie kämpft. Gestern Soldat, und heute – was? So schicken die Brüder Grimm den Namenlosen in den Wald. Endlich, nachdem er durchs äußere und innere Dickicht irrte, gelangt er an eine Hütte, in der eine alte Frau ihn empfängt ... So beginnt »Das blaue Licht«.

Hör ich im Laube lachen−
Verbrannt vom Salz der Laugen −
Soldaten, fremd, mit flachen
Maschinengewehraugen

Märchenhelden sind so anziehend wie verstörend. Schwerelos anonym, moralisch klar steuern sie stracks vom »Es war einmal« zum »nicht gestorben sind« durch Welten, wo noch das Gute grausam obsiegt – aber anders als unsere Comichelden, die erst durch Traumata zu Helden werden, anders als Spiderman oder Batman scheint der Grimm'sche Held immun gegen Neurosen, Komplexe, Ängste. So scheint es.

Genau hier beginnt Rebekka Kricheldorf ihre etwas andere Mär DAS BLAUE LICHT. Was ist dieses blaue Feuerzeug, mit dem der Soldat, von der Hexe im Brunnen gefangen, ein Männlein rufen kann? Was unterwirft er da sich für seinen Rachefeldzug, wo er die Prinzessin demütigt, heiratet, den König entthront? Ist das Unterbewusstsein, wie Pierre Janet vor Freud dachte, gar Folge von Traumata, der innere Brunnen, in den wir die Schrecken und Überreize versenken und so von uns abtrennen?

Unaufhörlich stritten Stimmen
In der Luft, obwohl sich
Die mythologischen Wesen längst
Zurückgezogen hatten.

Die schwarzen Männleins, psychotische Dämonen oder posttraumatische (Über-)Lebenshilfe?
(Gedichte von K. Krolow)

Schauspiel Frankfurt: Ich, ein Anfang

Frankfurt Schauspiel © Birgit Hupfeld


Ich, ein Anfang

von Sasha Marianna Salzmann
Uraufführung: 10. Februar 2017
Weitere Aufführungen: 18. / 23. Februar, 4. / 5. / 9. / 17. / 26. März. 3. April
Foto: © Birgit Hupfeld

Zum Stück:

Eines Tages ist Re weg. Und hinterlässt ein leeres Zimmer mit Fotografien, die sie auf dem Flohmarkt zusammengesucht hat. Oder ist es doch sie, die darauf lächelt? Keiner weiß, wohin sie gegangen ist, sporadisch erreichen Efraim und Nana kryptische Nachrichten. Als Sellal zur Zwischenmiete in das Zimmer zieht, beginnen die Nachforschungen: Wer war Re? Hat es sie wirklich gegeben? Drei junge Menschen auf der Suche nach einer Projektionsfläche ihrer Sehnsüchte. Sie haben nur eine Nacht, denn das neugesponnene Dreieck zwischen ihnen ist wieder in Auflösung begriffen.

Sasha Marianna Salzmann schreibt im Rahmen der Frankfurter Positionen 2017 ein Auftragswerk für das Schauspiel Frankfurt über eine Gruppe junger Menschen verschiedener Herkunft, Sexualität und Psychologie, die über die Abwesenheit von Re vereint sind. Sie alle sind auf der Suche nach einem Platz im Leben, einer Ordnung der Unordnung, die ihre Heimatlosigkeit mit sich bringt. Salzmann führt die Geschichten der Sehnsucht nach  der Welt zusammen in den kleinsten Raum, den Menschen sich teilen können: eine Frankfurter WG. Salzmanns Stücke wurden u.a. mit dem Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen (»Muttersprache Mameloschn«) und dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker (»Muttermale Fenster Blau«) ausgezeichnet.

Bernadette Sonnenbichler inszeniert das erste Mal am Schauspiel Frankfurt. Bisher entstanden Arbeiten u.a. am Schauspielhaus Graz, Residenztheater München, Schauspielhaus Wien und regelmäßig am Theater Aachen, wo ihre Inszenierung »Das Himbeerreich« 2014 zum NRW-Theatertreffen eingeladen wurde. Ab der Spielzeit 2016/17 ist sie Hausregisseurin am Düsseldorfer Schauspielhaus. Sie schreibt und inszeniert auch Hörspiele und wurde für ihre Rundfunkarbeiten mehrfach ausgezeichnet.

Theater Bonn: Der Zorn der Wälder

Theater Bonn © Thilo Beu


Der Zorn der Wälder

von Alexander Eisenach
Uraufführung: 10. Februar 2017
Weitere Aufführungen: 21. Februar, 9. / 15. / 31. März
Foto: © Thilo Beu

Zum Stück:

Eisenach legt sein neuestes Stück, das als Auftragsarbeit für das THEATER BONN entstand, als Kriminalgeschichte an, in deren Zentrum sich der Privatermittler Gordon Pritchet bewegt – eine Figur, die einem amerikanischen Film Noirentsprungen zu sein scheint.

Wie bereits in seinem am Schauspiel Frankfurt uraufgeführten „Finanzwestern“ DER KALTE HAUCH DES GELDES, für den Eisenach 2016 den Kurt-Hübner-Regiepreis erhielt, nutzt der Autor Archetypen, Stilmittel und Erzählmuster eines bekannten Genres, um neben dem Vertrauten noch etwas ganz anderes zu erzählen. Anhand eines klassischen Krimiplots um einen verschwundenen Mann entspinnt er eine Geschichte um das Verschwinden des Menschen selbst in einem aus dem Ruder gelaufenen kapitalistischen Systems.

Regie führt Marco Štorman, der zum ersten Mal in Bonn inszeniert. Er studierte Regie an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule und arbeitete seit dem u.a. amThalia Theater Hamburg, dem Schauspiel Hannover, der Volksbühne Berlin, den Münchner Kammerspiele und an der Staatsoper Stuttgart. Seit der Spielzeit 2016/17 ist Marco Štorman Hausregisseur am Theater Luzern.

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg: Trilliarden. Die Angst vor dem Verlorengehn

SchauSpielHaus Hamburg © Klaus Lefebvre


Trilliarden. Die Angst vor dem Verlorengehn

von Ingrid Lausund
Uraufführung: 3. Februar 2017
Weitere Aufführungen: 19. Februar, 26. / 28. März, 7. April
Foto: © Klaus Lefebvre

Zum Stück:

"Angenommen mal, ich habe eine Seele, die nach dem Tod ins Jenseits schwebt, ist in der Seele dann mein Ich noch mit dabei? Und angenommen mal, mein Ich ist da noch mit dabei – gehören zu dem Ich auch noch Gefühle und Empfindung? Und angenommen mal, es gäbe noch Gefühle, postmortal, zum Beispiel Freude, dann wäre es auf jeden Fall ja eine Freude ohne Glückshormone."

Ein Stück über Todesangst und Bleibenwollen, die Suche nach unzweifelhaften Überzeugungen und den Glauben an die lebensverlängernde Wirkung von Broccoli.

Ingrid Lausund, geboren in Ingolstadt, arbeitet als Autorin und Regisseurin. Unter dem Pseudonym Mizzi Meyer verfasst sie seit 2011 die Drehbücher zur Fernsehserie »Der Tatortreiniger«.

Ingrid Lausund lebt in der Bretagne und Berlin.

Schauspielhaus Graz: Empire


Empire

von Milo Rau
Österreichische EA: 14. Oktober 2016
Weitere Aufführungen: 16.-18. / 21.-23. / 25. September,
8. / 14. / 19. / 29. / 30. Oktober, 6. November
Foto: © Marc Stephan

Zum Stück:

Sie stammen aus Griechenland, Syrien, Kurdistan und Rumänien. Sie sind drei Schauspieler und eine Schauspielerin, aber sie sind auch Menschen, die etwas von Flucht und Heimat zu erzählen haben. Zwei sind durch Flucht nach Europa gekommen, die anderen beiden leben an dessen Rändern und kennen das Konstrukt Grenze aus einer besonderen Perspektive.

In „Empire“ gehen sie mit ihren eigenen Geschichten jenen Fragen auf den Grund, die beim tagtäglichen Medienkonsum sonst nur kurz und unbequem aufblitzen: Was ist Flucht? Was ist Heimat? Und wie wird das Gesicht des neuen Europa aussehen?

Mit dem abschließenden Teil seiner gefeierten Europa-Trilogie zeigt der Schweizer Theater- und Filmemacher Milo Rau erstmals eine Arbeit in Graz. Nicht umsonst ist er einer der erfolgreichsten Künstler*innen des Kontinents, den er seit Jahren gründlich unter die Lupe nimmt: Streitbar, konsequent und unaufgeregt reizen Milo Rau und das von ihm 2007 gegründete International Institute of Political Murder (IIPM) die Möglichkeiten des Theaters aus, um nicht nur dokumentarisch, sondern höchst politisch aufzutreten. Das ist ihm durch Reenactments historischer Ereignisse („Hate Radio“, „Breiviks Erklärung“) und aufwendig inszenierte Prozesse (zuletzt „Das Kongo Tribunal“) ebenso bestechend gelungen wie nun, bei der Europa-Trilogie, über die Kraft des Erzählens.

In „Empire“ wissen die Erzählenden von Verlust und Gefängnis, Tod und Wiedergeburt zu berichten, aber auch darüber, wie es ist, diese Erfahrungen künstlerisch zu verarbeiten. Gemeinsam mit ihnen wagt Milo Rau – nach den Themen der Radikalisierung im ersten Teil, „The Civil Wars“, und der Vergangenheitsbewältigung im zweiten, „The Dark Ages“, – nun den Blick in eine ungewisse Zukunft. Intim und doch von epischer Größe entsteht so das Porträt eines mythischen wie realpolitischen Imperiums...

In arabischer, griechischer, kurdischer und rumänischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Schlosstheater Celle: Die Tanzstunde


Die Tanzstunde

von Mark St. Germain
Dspr. EA: 4. September 2016
Weitere Aufführungen: 16.-18. / 21.-23. / 25. September,
8. / 14. / 19. / 29. / 30. Oktober, 6. November
Foto: © Schlosstheater Celle

Zum Stück:

Die Tanzstunde ist die Geschichte von Ever Montgomery und seiner Nachbarin Senga, einer Tänzerin, die sich wegen einer Beinverletzung von der Welt zurückgezogen hat. Ausgerechnet an ihre Tür klopft er, weil er für eine Preisverleihung nicht darum herum kommt, tanzen zu lernen, obwohl ihm jeder Körperkontakt ein Graus ist.

Zwei Menschen treten, wenn auch zunächst widerwillig, aus ihrer Anonymität heraus und lernen sich selbst und den anderen immer besser kennen. Nach anfänglichen Missverständnissen kommen sie sich viel näher, als zu erwarten war.  

Junges Theater Bonn: "Die drei ??? - Fluch des Piraten"


Die drei ??? - Fluch des Piraten

nach dem Roman von Ben Nevis
Uraufführung: 24. September 2016
Weitere Aufführungen: 25. / 28. / 30. September,
1. / 2. / 7.-9. Oktober, 3.-5. / 26.-28. November, 8.-10. / 21.-23. /30. / 31. Dezember
Foto: © Rolf Franke, Junges Theater Bonn

Zum Stück:

In Rocky Beach, dem kleinen Ort an der kalifornischen Pazifikküste ganz in der Nähe von Los Angeles, haben gerade die Sommerferien begonnen. Justus, Peter und Bob treffen sich in ihrem Hauptquartier, um einen gerade erfolgreich aufgeklärten Fall zu den Akten zu legen und dann ganz entspannt den Ferienbeginn mit ein paar Freunden - und Bob und Peter mit ihren Freundinnen - am Strand zu feiern. Dementsprechend sind sie nicht wirklich passend für einen Einsatz gekleidet, als Justus plötzlich von Althena über den Haufen gerannt wird - einem Mädchen, das sie kennen, weil sie mit einer Freundin ebenfalls ein Detektivbüro betreibt - und das jetzt von einem bewaffneten Mann verfolgt wird. Durch die Hilfe der drei ??? schien sie ihrem Verfolger entkommen zu sein – doch nicht auf Dauer. Peter konnte nur noch beobachten, wie sie letztlich doch in die Fänge des Unbekannten geraten ist. Erst jetzt bemerkt Justus, dass eine kleine Digitalkamera in seiner Hosentasche steckt. Die kann nur Althena ihm zugesteckt haben, in dem Moment, in dem sie über ihn gestolpert ist.

Die drei Detektive streichen ihre Party-Pläne und ziehen sich wieder in ihr Hauptquartier zurück, um die Bilder auf der mysteriösen Kamera zu analysieren. Und tatsächlich – die Bilder enthalten verschiedene Hinweise auf einen Fall, an dem Althena vermutlich gerade arbeitete. Wahrscheinlich gibt es einen Zusammenhang zwischen diesem Fall und ihrer Entführung. Wahrscheinlich war es kein Zufall, dass sie Justus umgerannt hat, sondern pure Absicht, um ihm die Kamera unauffällig zu geben und so ihre Beweismittel zu sichern. Aber worum geht es in dem Fall? Wer ist der Entführer, und wo ist die Entführte?

Eilige Recherchen führen die drei ??? in eines der großen Hollywood-Studios, und von dort auf eine einsame Insel weiter nördlich im Pazifik, auf der vor Jahren ‚Der Fluch des Piraten‘ gedreht worden war. Ein gescheiterter Regisseur, ein entlassener Häftling, ein mysteriöser Brief – all das scheint irgendwie zusammen zu hängen mit dem Verschwinden ihrer Kollegin. Doch als die drei Jungen diese Zusammenhänge mehr und mehr entschlüsseln, ist es beinah schon zu spät…

Ben Nevis hat mit ‚Fluch des Piraten‘ einen Fall für ‚Die drei ???‘ geschrieben, der alles hält, was der Titel und die Reihe versprechen: Eine hochspannende Handlung mit einem gehörigen Anteil Mystery, aber auch mit einigem Humor, der oft der Suche der jugendlichen Detektive nach ihrer zukünftigen Rolle als Erwachsene entspringt. So ist das Theaterstück, das Moritz Seibert auf der Basis des Romans schreibt und inszeniert, nicht nur ein spannender Kriminalfall, sondern auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden, einschließlich all der damit verbundenen Komplikationen.

 

 

Junges Theater Bonn: "Bestimmt wird alles gut"


Bestimmt wird alles gut

nach einer Erzählung von Kirsten Boie
Uraufführung: 10. September 2016
Weitere Aufführungen: 11. / 13. / 14. / 17. September,
4. / 6. / 7. Oktober, 5. / 7. / 8. / 10. / 21. / 22. November
Foto: © Rolf Franke, Junges Theater Bonn

Zum Stück:

Kirsten Boies hat die Geschichte von Rahaf und Hassan angehört und erzählt sie so nach, dass sie für sich stehen kann, aber auch für viele andere vergleichbare Schicksale und für unsere Zeit. Das in Deutsch und Arabisch verfasste Buch erzählt mit eindrücklichen Illustrationen einfühlsam und aus kindlicher Sichtweise von Krieg und Vertreibung, Flucht, Verlust und Hoffnung.

Rahaf hat schon viel erlebt. Sie ist zehn Jahre alt und musste Menschen sterben sehen, ihre beste Freundin für immer verlassen, ihre Oma auch. Rahaf kommt aus Syrien.

Früher haben Rahaf und Hassan in der syrischen Stadt Homs gewohnt und es schön gehabt. Anfangs gibt es noch kleine lustige Anekdoten aus Rahafs Leben. Von ihrer Puppe, ihrer Freundin und den kleinen Geschwistern. Aber dann kamen immer öfter die Flugzeuge und man musste immerzu Angst haben. Da haben die Eltern beschlossen wegzugehen, in ein anderes Land.

Die Familie wird von den Schleusern mit etlichen anderen Menschen auf ein viel zu kleines Boot verfrachtet, sämtliches Gepäck verschwindet, es ist extrem eng, kalt, es gibt nichts zu essen, nur etwas Wasser. Der beschwörende Satz, der dem Buch den Titel gab, „Bestimmt wird alles gut“, hängt als Hoffnung über allem und begleitet die Familie von Italien nach Deutschland.

Oft noch wird die Hoffnung enttäuscht. Das Erstaufnahmelager wirkt abweisend, auch die Schule erscheint Rahaf fremd. Und der Vater ist so traurig, weil er nicht arbeiten darf. Zwei Jahre schon.

Denn auch das gehört zur Wahrhaftigkeit in Boies Erzählung: Flucht und Exil bestehen vor allem aus Warten. Irgendwann könnte alles gut werden. Vielleicht.

Ein schweres und brisantes Thema wird als wohltuend, klug und einfühlsam erzählt. Konstanze Kappenstein, die für das Junge Theater Bonn schon ‚Malala-Mädchen mit Buch‘ und ‚Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte‘ inszeniert hat, inszeniert ihre eigene Bühnenbearbeitung für Zuschauer ab sechs Jahren.

Kirsten Boie ist eine der renommiertesten, erfolgreichsten und vielseitigsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Weit mehr als hundert Bücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden, zeugen von ihrer enormen literarischen  Vielseitigkeit, großem  Einfühlungsvermögen, vor allem aber von ihrem sozialen Engagement. 2007 wurde Kirsten Boie für ihr Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet.

Neues Theater GmbH Hannover: Schlussmacher frei Haus


Schlussmacher frei Haus

Komödie von Tristan Petitgirard 
Dspr. EA: 2. September 2016
Weitere Aufführungen: 3. / 4. / 6.-11. / 13.-16. / 20.-25. / 27.-30. September,
1.-9. / 11.-16. / 18.-23. / 25.-30. Oktober, 1.-6. / 8.-13. / 15.-19. November
Foto: © Oliver Vosshage

Zum Stück:

Eine Liebesbeziehung zu beenden ist niemals schön, also warum nicht jemanden dafür bezahlen, der es für einen erledigt? Genau dafür hat Eric seine Agentur „Schlussmacher frei Haus" gegründet.

Als er eines Abends wieder einmal seinen Beruf ausüben und einer armen Frau sagen soll, dass ihr Geliebter beschlossen hat, sie zu verlassen, steht ihm jedoch selbst eine Überraschung ins Haus: Die „arme Frau", der er seine Botschaft überbringen soll, ist Pauline, die Liebe seines Lebens.

Die Pauline, die vor sieben Jahren plötzlich und ohne jeglichen Grund aus Erics Leben verschwand. Natürlich sagt Eric Pauline nicht, dass er von ihrem Geliebten Hyppolite zum Schlussmachen engagiert wurde. Die Information, dass er sogar noch vor Pauline von ihrem „brandneuen Singlestatus" weiß, sieht Eric als seinen ganz persönlichen Vorteil.

Allerdings rechnet er nicht im Entferntesten damit, dass Hyppolite plötzlich gar nicht mehr von Pauline getrennt werden möchte – und ihr sofort einen Besuch abstatten wird. So trifft sich bei Pauline ein ziemlich merkwürdiges Trio: die Frau, ihr Ex und ihr „zukünftiger" Ex.

Verwechslungen und beste Unterhaltung sind garantiert! Der neue Komödie-Hit aus Paris!

 

 

SPIELZEIT 2015/2016

Staatsschauspiel Dresden: 89/90


89/90

nach dem Roman von Peter Richter
Uraufführung: 27. August 2016
Weitere Aufführungen: 1. / 10. / 16. / 24. September, 19. / 26. Oktober
Foto: © David Baltzer

Zum Stück:

Warum hauen einem eigentlich all die schönen Mädchen ständig in den Westen ab? Im Sommer 1989 ändert sich gerade die ganze Weltordnung, aber als 16-Jähriger stehen andere existenzielle Fragen im Mittelpunkt. Nachts im Freibad begegnet der Protagonist aus „89 / 90“, der sich am liebsten mit „Rowdies, Arbeitsbummelanten, Provokateuren und Leuten mit ernsten Problemen, sich in die sozialistische Gemeinschaft einzufügen“ rumtreibt, dann aber doch der L., der einzig wirklich überzeugten Kommunistin, die hier überhaupt noch anzutreffen ist.

„Kann es sein, dass diese Stadt eine einzige Kippkarte ist?“, fragte der gebürtige Dresdner Peter Richter in seiner Dresdner Rede am Staatsschauspiel. In seinem autobiografischen Roman, der 2015 für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde, schildert er ­anhand anekdotischer Erinnerungen, wie Erwachsenwerden und das Ende einer Ära Hand in Hand gehen. Er zeigt das Bild vom Umbruch einer Stadt, einhergehend mit dem Zusammenbruch einer politischen Idee – und da gibt es naturgemäß immer mehrere Sichtweisen: Als schließlich die Mauer und kurz danach die DDR fällt, stehen sich Freunde, die eben noch gemeinsam auf das System schimpften, als Linke und Rechte gegenüber und schlagen sich bei jeder Gelegenheit mit ihren neuen Baseballschlägern die Köpfe ein. Und im Geschichtsunterricht kommt nach der Weimarer Republik wieder das Mittelalter dran, denn es ist nicht mehr so klar, wie man Geschichte ab jetzt weitererzählt. Denn wie es zugeht, wenn Rechtsradikale die Straße übernehmen, und Leute, die eben noch Kommunisten gewählt haben, beifällig dazu nicken, muss man nicht mehr im Schulunterricht durchnehmen, das kann man sich jetzt jeden Tag mit eigenen Augen in der Stadt anschauen.

In der Aufführung von 89/90 werden bei einigen Szenen beachtliche Lautstärken erreicht. Unser Abendpersonal hält für Sie gratis Gehörschutz bereit. Wir weisen auch darauf hin, dass während der Vorstellung Stroboskoplicht eingesetzt wird.

 

 

Staatstheater Mainz: "Traurige Zauberer"


Traurige Zauberer

Eine stumme Komödie mit Musik von Thom Luz
Uraufführung: 21. Mai 2016
Weitere Aufführung: 12. Juni, 1. Juli
Foto: © Andreas Etter

Zum Stück:

Jeder Zaubertrick handelt im Kern von Tod und Wiederauferstehung und hinter jedem gelösten Rätsel verbirgt sich ein weiteres. Auf der Hinterbühne eines Provinztheaters warten zwei Magier auf ihren vorerst letzten Auftritt. Mit dabei: ihre beiden Ehefrauen und die Requisiten für den schwebenden Jüngling, das Jungfrauenrätsel, das verschwindende Licht und den Kartentrick mit der unerwarteten Wendung.

Das Bühnenexperiment wird durchwebt von Musik von Charles Ives, Debussy und Bach – und vergessene Biografien einiger großer Persönlichkeiten aus dem Täuschungsgeschäft spielen eine wichtige Rolle. Geht es hier um Verschwinden und Wiederauftauchen? Um die An- und Abwesenheit? Den Schritt ins Jenseits und das Warten auf ein Wunder? Die Suche des Menschen, sich mit der Unendlichkeit zu verbinden? – Vielleicht. Vielleicht werden wir auch etwas vollkommen Unerklärliches, Wunderliches erleben.

Luz' Theaterabende zeichnen sich durch hohe Musikalität und eine poetische, melancholische Bildsprache aus. Archiv des Unvollständigen hieß eine seiner Arbeiten, die wesentlich dazu beitrug, dass er von der Fachzeitschrift Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres 2014 ernannt wurde. Der Titel dieses Abends könnte auch die Gesamtüberschrift all seiner bisher geschaffenen Theaterabende bilden, denn egal ob er den Biografien von Polarforschern, französischen Surrealisten nachspürt oder ob er den Zauberberg und Werther auf die Bühne bringt, es geht ihm eher um das nicht gesagte als um das wirklich gesprochene Wort. Mit Atlas der abgelegenen Inseln, wurde er 2015 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Traurige Zauberer ist Thom Luz‘ erste Arbeit für das Staatstheater Mainz.

Badisches Staatstheater Karlsruhe: "For the first time"


For the first time

Ein Tanz-Theater-Projekt des BADISCHEN STAATSTHEATERS und des Rotary Clubs Karlsruhe in Kooperation mit dem Kulturzentrum Tempel
Uraufführung: 26. Mai 2016
Weitere Aufführung: 2. Juni
Foto: © Felix Grünschloß

Zum Stück:

Der erste Atemzug, der erste Schritt, der erste Kuss, der erste Verlust: In der Zeit des Heranwachsens, fühlen, denken, tun und erleben wir vieles zum ersten Mal. In der Produktion For the First Time nehmen Jugendliche aus Karlsruhe und Umgebung ihr Leben als Summe von ersten Malen unter die Lupe. Mit Tanz als körperlichem Ausdrucksmittel zeigen sie, wie sich innere und äußere Welten plötzlich oder allmählich wandeln und präsentieren diese Bilder der Veränderung in einem Defilee der Jugend.

Beata Anna Schmutz, die neue Leiterin des VOLKSTEHATERS, setzt mit diesem Bewegungsprojekt direkt in der Lebenswelt von Jugendlichen an und untersucht gemeinsam mit Ihnen, wie das eigene Leben durch bedeutsame Momente beeinflusst wird. Die in Polen geborene Regisseurin ist spezialisiert auf partizipatorische Theaterarbeiten.

Mainfranken Theater Würzburg: "Der Steppenwolf"


Der Steppenwolf

Musiktheater von Viktor Åslund nach Hermann Hesses gleichnamigem Roman
Uraufführung: 7. Mai 2016
Weitere Aufführungen: 31. Mai, 2. / 15. / 17. Juni, 1. Juli
Foto: © Falk von Traubenstein

Zum Stück:

Hermann Hesse – Literaturnobelpreisträger, vielgelesener und vielgepriesener Autor, Lyriker, Romancier, Kritiker der satten Bürgerlichkeit und Meister im Analysieren und Erfahren von Lebenskrisen – veröffentlichte 1927 seinen autobiografisch durchwirkten Roman Der Steppenwolf. Selten gingen Themen wie der Überdruss am Gang des Alltäglichen, das Aufbrechen bisher verdrängter Begierden und Wünsche, die Lust, alle Zwänge des biederen Philistertums zu überwinden, und die kreative Kraft der Krise eine packendere Verbindung ein als in diesem Werk. Kein Wunder also, dass dieser Roman über die antibürgerliche Selbstfindung von Hermann Hesses Alter Ego Harry Haller gerade in der Aufbruchstimmung der 68er-Bewegung Kultstatus erlangte.

Nun endlich kommt diese Geschichte auch auf die Opernbühne, wenn das Mainfranken Theater Viktor Åslunds Vertonung von Rainer Lewandowskis Hesse-Libretto zur Uraufführung bringt. Dieses Werk mit seiner ebenso intelligenten wie zugänglichen Musik ist dabei weder Musical noch Oper, weder Schauspiel mit Songeinlagen noch Lyrisches Drama, sondern einfach pralles Musiktheater!    

Schauspiel Frankfurt: "Der alte Affe hat Angst"


Der alte Affe hat Angst

von Oskar Roehler
Uraufführung: 22. April 2016
Weitere Aufführungen: 4. / 5. / 21. / 22. Mai, 1. / 2. Juni
Foto: Birgit Hupfeld

Zum Stück:

Oskar Roehlers »Der alte Affe Angst« ist eine bedingungslose Liebesgeschichte, frei von Romantik und jugendlicher Leichtigkeit. Sie zeigt die Liebe als Schmerz, als Angst vor Verlust und offenbart darin eine Tiefe, die an das antike Drama erinnert. Roehlers Protagonist ist Theaterregisseur und befindet sich in einer schweren persönlichen Krise. Seit Monaten hat er schon nicht mehr mit Marie geschlafen. Seine Befriedigung findet er nur noch bei Prostituierten. In den gegenseitigen Verletzungen verlieren Marie und Robert fast den Boden unter ihren Füßen, bis sie erkennen, dass es sich lohnt, für ihre Liebe zu kämpfen. 

Oskar Roehler zählt zu den wichtigsten deutschen Filmemachern der Gegenwart, dessen Arbeiten sich »nach der Feier des Empfindens sehnen, nach dem kurzen, seltenen Moment, in dem der Liebe nichts in die Quere kommen kann« (Die Zeit). Seit seinem gewichtigen autobiografischen Roman »Herkunft« hat Roehler auch als Autor Anerkennung gefunden. Ersan Mondtag, der in der Saison 2013/14 Mitglied im Frankfurter REGIEstudio war und mit zwei seiner Frankfurter Inszenierungen zum Festival »Radikal jung« eingeladen wurde, bearbeitet den Stoff erstmals für die Bühne.

Staatstheater Mainz: "Am Sonntag bist du tot"


Am Sonntag bist du tot

nach dem Drehbuch von John Michael McDonagh
Uraufführung: 21. April 2016
Weitere Aufführungen: 29. April, 15. / 31. Mai, 8. / 11. / 21. / 22. Juni
Foto: Bettina Müller

Zum Stück:

Nach dem Tod seiner Frau hat sich James Lavelle als katholischer Priester auf eine kleine irische Insel zurückgezogen. Seine Gemeinde ist überschaubar, jeder kennt hier jeden, viele haben eine gemeinsame Vergangenheit. „Am Sonntag bist du tot“, sagt eine Männerstimme eines Tages zu ihm im Beichtstuhl. Unschuldig und stellvertretend soll er büßen für die Taten eines anderen Priesters, der den Mann als Kind jahrelang missbraucht hat. Möglicherweise hat Lavelle die Stimme des Mannes erkannt, aber das Beichtgeheimnis bindet ihn.

Der Zuschauer begleitet ihn ab dem Moment eine Woche lang bis zu seinem angedrohten Todestag. Lavelle begegnet den Menschen seiner Gemeinde, seine Tochter kommt und konfrontiert ihn mit der Vergangenheit. In den Gesprächen wird das schwierige Verhältnis jedes Einzelnen zur Kirche und zum Glauben deutlich – und nicht selten entlädt es sich in Aggressivität gegenüber ihrem Vertreter, Lavelle. Auch die andere Wange hinhalten, das Leben und die Menschen aushalten – kann er das? Ist das der richtige Weg? Und was geschieht am Sonntag?

Auf Grundlage des Filmdrehbuchs wird der leitende Regisseur K.D. Schmidt Am Sonntag bist du tot als Uraufführung auf die Bühne bringen. Die klugen, schnellen Dialoge ebenso wie die differenziert gezeichneten Figuren führen zu einer intensiven Auseinandersetzung mit einem hochaktuellen Thema.

Schauspiel Frankfurt: "Der Sturm"


Der Sturm

von William Shakespeare - Neuübersetzung von Frank-Patrick Steckel
EA der Neuübersetzung: 15. April 2016
Weitere Aufführungen: 4. / 20. / 22. / 28. Mai, 17. Juni
Foto: Birgit Hupfeld

Zum Stück:

Prospero, der rechtmäßige Herzog von Mailand, ist Opfer familiärer Machtkämpfe und wird mit seiner Tochter Miranda auf eine Insel verbannt. Zusammen mit zwei mythischen Gestalten, dem Luftgeist Ariel und dem wilden Sklaven Caliban, plant der Herzog seinen Rachefeldzug und beschwört einen Sturm herauf. Der magische, auf offener See wütende Sturm zwingt Prosperos Widersacher, mit ihrem Schiff auf der Insel zu stranden. Die Neuankömmlinge irren auf der Insel umher, unterliegen einer Probe »des menschlichen Wahnsinns « und die vermeintlichen Rachepläne rücken in den Hintergrund, denn Miranda verliebt sich Hals über Kopf in die Neuankömmlinge und Caliban will die Chance zur Flucht ergreifen.

Andreas Kriegenburg, der am Schauspiel Frankfurt u.a. mit poetischen Inszenierungen wie Goldonis »Diener zweier Herren« und Tschechows »Die Möwe« das Publikum verführte, wird dieses von Magie beherrschte Stück Shakespeares auf die Bühne bringen.

Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins - Sektion Schauspiel

Theater, Oper und Orchester GmbH Halle: "Casanova"


Casanova

Ballett von Ralf Rossa - Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Uraufführung: 15. April 2016
Weitere Aufführungen: 4. / 20. / 22. / 28. Mai, 17. Juni
Foto: Theater Oper und Orchester GmbH, Fotos: Falk Wenzel

Zum Stück:

Vieles aus dem Leben des Italieners Giacomo Girolamo Casanova ist Legende, seine Geburt als Sohn einer Schaustellerfamilie 1725 in der Calle Malipiero im Markusviertel Venedigs hingegen belegt. Die Stadt war im 18. Jahrhundert nicht nur ein Mekka für Literatur, Theater und Musik, sondern auch touristischer Magnet für Abenteurer, Biedermänner und Geistliche aus Europa zur Befriedigung erotischer Fantasien.

Casanova fand seine Amouren in Casinos ebenso wie in den verruchtesten Bordellen. Neben Patrizierinnen verführte er auch Nonnen, die von ihren Beichtvätern nicht selten zur Prostitution angeboten wurden. Als Casanova 1755 wegen Libertinage und Blasphemie verurteilt wurde, gelang ihm bald darauf die legendäre Flucht aus den Bleikammern des Dogenpalasts.

Jahre später betrat er ausgerechnet als Spion der venezianischen Geheimpolizei wieder heimatlichen Boden und wurde erneut verbannt. Im Laufe seines Lebens verdingte er sich u.a. an den Höfen von Wien, Paris, London und St. Petersburg als Astronom, Diplomat, Philosoph, Librettist, Musiker, Übersetzer, Ökonom und Historiker.

Die letzten Jahre lebte Casanova verbittert als Bibliothekar in Böhmen, wo er seine kulturgeschichtlich bedeutenden Memoiren »Geschichte meines Lebens« schrieb und 1798 starb. – In einer Melange aus Wahrheit und Erfindung macht sich Ralf Rossa auf die Spur dieser faszinierenden Persönlichkeit, die Eros, Kultur und Mystik untrennbar in sich vereint.

Hinweis: mit Stroboskoplicht

Deutsches Theater Göttingen: "Unter der Erde"


Unter der Erde

von Paco Bezerra
Europäische EA: 12. April 2016
Weitere Aufführungen: 26. April 3. Mai
Foto: © Isabel Winarsch

Zum Stück:

Unter der Oberfläche modert es. Doch die Leichen im Keller sind gut verscharrt. Kilometerlang erstrecken sich in Südspanien die Dächer der Gewächshäuser. Alles, was das Auge zu sehen bekommt, ist ein Meer aus Plastikplanen, unter denen nicht nur das ganze Jahr Gemüse wächst, sondern auch viele Gastarbeiter schwitzen.

Ein Vater von drei Söhnen bewirtschaftet eine dieser Plantagen. Zusammen mit seinem Zweitgeborenen arbeitet er an der Zucht einer neuen, gewinnbringenden Tomatensorte.

Denn sein Ältester ist von einer seltsamen Hautkrankheit gezeichnet und fällt als Erwerbsquelle aus. Der Jüngste interessiert sich dagegen nur fürs Schreiben und eine junge Gastarbeiterin. Unweigerlich kommt es zum Konflikt zwischen ihm und dem Vater, der die Familientradition und das Patriarchat hochhält. Doch nicht nur zwischen den Generationen knirscht es. Ein seltsames Geheimnis scheint das Gewächshaus und den Boden, auf dem die Tomaten wachsen, zu umgeben. Die rätselhafte Hauterkrankung des ältesten Sohnes, die an einer Vergiftung verschiedene Mutter, das Leiden des Vaters und das Herzstechen der jungen Gastarbeiterin deuten auf den exzessiven Einsatz von Pestiziden hin. Das absolute Verbot des Vaters, das Gewächshaus zu betreten, lässt sogar noch schlimmeres vermuten.

Wie in Traumzyklen erzählt Bezerra die Geschichte eines modernen ›Plantagenbesitzers‹ und seiner drei Söhne und thematisiert innerhalb dieser – an Shakespeares »König Lear« erinnernden – Familienkonstellation nicht nur einen klassischen Vater-Sohn-Konflikt, sondern auch die teilweise prekären Bedingungen des Gemüseanbaus in Südspanien.

Landestheater Linz: "Franzgeschichte"


Franzgeschichte

Familienstück nach Christine Nöstlinger - Bühnenfassung von Christine Wipplinger - Für alle ab 5 Jahren
Uraufführung: 8. April 2016
Weitere Aufführungen: 16. / 17. / 21. / 23. / 24. / 27. / 30. April 7. / 8. / 14.-16. / 20. Mai, 12. / 15. Juni
Foto: © Reinhard Winkler

Zum Stück:

Die Geschichten vom Franz? Noch nie gehört?! Franz ist ein sechsjähriger Junge, schmächtig, mit blonden, wuscheligen Locken. Häufig wird er deshalb verspottet und für ein Mädchen gehalten. Doch da gibt es ein Mädchen, das ihn immer verteidigt und treu an seiner Seite ist.

Gabi, seine beste Schulfreundin. Gemeinsam gehen sie durch dick und dünn und erleben viele spannende, traurige, lustige und gruselige Geschichten. 1984 wurden die großartigen, mit Witz, Humor und Charme geprägten Geschichten vom Franz von Christine Nöstlinger ins Leben gerufen. Christine Wipplinger kreiert nun daraus eine eigene Fassung für den u\hof:.

Landestheater Detmold: "Sogno d`un mattino di primavera (Traum eines Frühlingsmorgens)"


Sogno d`un mattino di primavera (Traum eines Frühlingsmorgens)

von Alexander Muno
Uraufführung: 8. April 2016
Weitere Aufführungen: 13. / 17. April, 13. Mai, 23. Juni
Foto: © Landestheater/Schomburg

Zum Stück:

Mit Alexander Muno verfasst ein junger, schon mehrfach preisgekrönter Komponist für das Landestheater ein Auftragswerk als Literaturoper. Erfahrungen mit Literaturvorlagen sammelte er bereits mit der Oper »Vom Meer« nach Ibsen für das Theater Heidelberg. Alexander Muno hat sich mit dem Entwurf einer Oper nach dem dramatischen Gedicht von Gabriele D’Annunzio einen sprachmächtigen Autor ausgesucht, der sich nicht nur als poetischer Wortkünstler einen Namen gemacht hat.

Sein Ruf als politischer Abenteurer und unersättlicher Frauenheld war nicht weniger legendär. »Traum eines Frühlingsmorgens« beschreibt eine unglückliche Liebe: Donna Isabella ist über dem Mord an ihrem Geliebten wahnsinnig geworden. Seitdem dieser in ihren Armen blutüberströmt starb, löst jede intensive rote Farbe, sei es von einer Beere oder einem Insekt, erneut den Schrecken dieses Moments aus.

Ihr Arzt hofft, sie mithilfe Virginios, des Bruders des Ermordeten, von ihrem Wahn erlösen zu können. Und tatsächlich bringt dieser ihr Linderung, indem er sie von jeglicher Schuld am damaligen Geschehen freispricht und in ihr Träume eines möglichen Lebensglücks auslöst. Dieses Glück aber ist nur für andere bestimmt, Isabella selbst will mit der Natur verschmelzen, im totalen Vergessen Befreiung finden.

Theater Nordhausen: "Die Tänzerin von Auschwitz"


Die Tänzerin von Auschwitz

Die Geschichte einer unbeugsamen Frau von Paul Glaser
Uraufführung: 7. April 2016
Weitere Aufführungen: 8. / 11. / 13. April, 21. Mai
Foto: © Theater Nordhausen

Zum Stück:

Sie war Tante Roosje, und sie war die „Tänzerin von Auschwitz“ – Rosa Glaser. Ihr Leben wurde von ihrem Neffen Paul Glaser in einer emotionalen Biographie nachvollziehbar gemacht. Rosa Glaser war eine lebenshungrige junge Frau, die als Jüdin in den Niederlanden von ihrem Mann verraten und von den Nazis verfolgt wurde. In Auschwitz betätigte sie sich abends als Tänzerin und Tanzlehrerin, während sie tagsüber an den Gaskammern arbeiten musste.

Der Tanz hielt ihren Lebenswillen wach und rettete sie vor dem Tod.Bianca Sue Henne und Jutta Ebnother führen mit vier Darstellern starke Bilder sowie Mittel aus Tanz, Figurentheater und Schauspiel zu einem Theaterabend zusammen.

Dabei finden Originaltexte Verwendung, in denen sich Rosa Glaser erinnerte. Tanz spielt als Teil der Handlung eine Rolle, gibt aber auch Momenten von Liebe, Zweifel und Trauer Ausdruck, die Rosa Glaser in ihren nüchternen, knappen Berichten auszusparen versucht hat. Silhouetten, Handpuppen, Marionetten und Gliederpuppen erweitern den Personenkreis des Spiels.

Hans Otto Theater Potsdam: "Asip und Jenny"


Asip und Jenny

von Angela Schneider
Uraufführung: 3. April 2016
Weitere Aufführungen: 11. April, 19. / 26. Mai
Foto: © Göran Gnaudschun

Zum Stück:

Ein Mädchen steht auf dem Brückengeländer. Sie will springen, doch ein fremder Junge reißt sie zu Boden. Sie beißt und beschimpft ihn – bis unter Weinen alles aus ihr herausbricht.

Gerade ist ihr Stiefvater ausgezogen, ohne sich von ihr zu verabschieden, ihre Mutter interessiert sich nur für den Beruf, und ihr Freund ist jetzt mit ihrer besten Freundin zusammen. Jenny fühlt sich allein, von allen verlassen. Doch wer ist der Junge, der sie gerettet hat?

Asip heißt er und ist mit seiner Familie vor dem Krieg in Afghanistan geflüchtet. Und sein Vater ist dort geblieben? Klar, Väter machen sich grundsätzlich davon, überall dasselbe. In ihrem Furor macht Jenny alles nieder – und Asip diskutiert nicht, sondern hört ihr zu.

Jeden Abend treffen sie sich nun auf der Brücke. Asip versucht zu verstehen, warum Jenny mit ihrem behüteten Wohlstandsleben so unzufrieden ist. Sehr behutsam beginnt er, ihr die Augen für die Verhältnisse und Gefühle ihrer Mitmenschen zu öffnen und ihr Mut zu machen – Mut, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Dann wird sie vielleicht auch verstehen, warum Asip so hart dafür trainiert, eines Tages als Läufer bei Olympia für seine neue Heimat anzutreten und zu siegen.

Düsseldorfer Schauspielhaus: "Die Kunst vom Fallen und Fliegen"


Die Kunst vom Fallen und Fliegen

von Ivica Šimić
Deutsche Erstaufführung: 3. April 2016
Weitere Aufführungen: 19.-22. April, 8.-11. Mai, 9. Juni
Foto: © Sebastian Hoppe

Zum Stück:

»Wer fliegen will, muss den Mut haben, den Boden zu verlassen.«

Wie schwer ist eigentlich Luft? Warum fliegt ein Ballon und ich nicht? Wie stark ist der Wind? Wie hoch kann ich springen, schwingen oder hüpfen, ohne dass ich falle? Die Kunst vom Fallen und Fliegen ist ein stürmisches Stück für die Allerkleinsten. Eine Tänzerin und eine Schauspielerin stellen Naturgesetze auf den Kopf, beschwören große Winde und zeigen, wie leicht die Schwerkraft eigentlich sein kann.

Ivica Šimić ist ein kroatischer Regisseur und Leiter des Theaters Mala Scena in Zagreb, eines der führenden Theater für junge Menschen in Kroatien. Sein Anliegen ist es, dass das Theater Kinder und Jugendliche wie selbstverständlich beim Aufwachsen begleitet. Prägendes Element von Šimićs Inszenierungen ist die Interdisziplinarität, seine Arbeiten vereinen oft performative und tänzerische Elemente.

Šimićs Produktionen werden international gefeiert und touren durch die ganze Welt.sten, die für ihre Zeit Unvorstellbares glaubhaft machen wollten? Warum wird Scheitern nicht als Chance begriffen? Was spricht denn gegen ein Leben in einer imaginierten Welt, wenn sie doch die bessere ist? Ist diese Fähigkeit nicht Ausdruck ­außerordentlicher Kreativität? Aber wo verläuft die Grenze zum Wahnsinn, wann wird der Schutzraum zur Gefängniszelle?

Staatsschauspiel Dresden: "Wind.Mühlen.Flügel"


Wind.Mühlen.Flügel

Ein Rechercheprojekt nach Miguel de Cervantes' „Don Quijote“
Uraufführung: 2. April 2016
Weitere Aufführungen: 28. April, 17. Mai, 5. / 17. Juni
Foto: © David Baltzer

Zum Stück:

Ein junges Mädchen schläft an der Seite eines blond gelockten Jungen, der nur in ihrem Kopf existiert. Ein ehemaliger Kulturjournalist erinnert sich an eine Zeit, in der alles möglich schien. Eine Frau versucht immer wieder, ihre in Wahnvorstellungen gefangene Mutter in die reale Welt zurückzuholen. Eine Wissenschaftlerin forscht jahrelang und beweist schließlich, dass sie ihre These nicht beweisen kann. Ein junger Mann klettert aus dem Loch der Depression und stürzt wieder ab.

Alle kämpfen gegen Windmühlen, wie Miguel de Cervantes' (Anti-)Held, den er vor mehr als vier Jahrhunderten in die Welt hinaus schickte, um sie neu zu erfinden. Die Faszination für den „fahrenden Ritter“ ist seit der Publikation des Romans ungebrochen.

Wie sähe unsere Welt auch aus ohne all die Utopisten, die für ihre Zeit Unvorstellbares glaubhaft machen wollten? Warum wird Scheitern nicht als Chance begriffen? Was spricht denn gegen ein Leben in einer imaginierten Welt, wenn sie doch die bessere ist? Ist diese Fähigkeit nicht Ausdruck ­außerordentlicher Kreativität? Aber wo verläuft die Grenze zum Wahnsinn, wann wird der Schutzraum zur Gefängniszelle?

Staatstheater Nürnberg: "Die Lotterie / Frauen des Krieges"


Die Lotterie / Frauen des Krieges

2 Geschichten für 5 Schauspieler von Karine Khodikyan
Uraufführung: 2. April 2016
Weitere Aufführungen: 10. / 19. April, 2. / 14. Mai
Foto: © Marion Bührle

Zum Stück:

Unbegrenzt Leben und Arbeiten in Europa und dazu noch ein eigenes Heim? Und das alles per Losglück? Aus den USA kennen wir die GreenCard-Lotterie, aber jetzt in Europa und dann auch noch unter verschärften Bedingungen, als Spielshow im Fernsehen? 5 Personen kämpfen um Pass, Arbeitsstelle und Eigenheim. Das ist die Setzung der armenischen Autorin Karine Khodikyan im ersten Teil ihres Stückes für fünf Schauspieler „Die Lotterie“. Im zweiten Teil, den sie „Frauen des Krieges“ nennt, erleben wir dieselben Menschen in einer verwandelten Situation. Es herrscht Krieg …

Landestheater Linz: "Radikal"


Radikal

Schauspiel von Brigitta Waschnig
Uraufführung: 26. März 2016
Weitere Aufführungen: 5. / 7. / 13. / 16. / 26. April, 11. / 12. Mai, 3. Juni
Foto: © Reinhard Winkler

Zum Stück:

Was treibt junge Menschen an, sich einer radikalen Gruppe anzuschließen? Ist es das Aufbegehren gegen die Erwachsenengeneration, ist es pure Abenteuerlust oder die Suche nach einer funktionierenden Gemeinschaft? Sind es religiöse oder politische Motive? Oder die individuelle Sehnsucht, seinem Leben eine Bedeutung zu geben? Sind es Jugendliche, die aus zerrütteten Verhältnissen kommen oder kriegstraumatisierte Kinder, die in Österreich auf Asyl hoffen? Oder kann auch ein älterer Mensch noch radikal werden? Diesen und anderen Fragen gehen Jugendliche und Erwachsene auf den Grund und entwickeln daraus mit Brigitta Waschnig und dem u\hof: Team einen Theaterabend.

Junges Theater Bonn: "An der Arche um acht"


An der Arche um acht

von Ulrich Hub
Uraufführung: 26. März 2016
Weitere Aufführungen: 10. / 11. / 13. / 27.-30. April, 5. / 6. / 15.-18. / 27.-31. Mai, 1. / 6. -8. / 30. Juni, 1. / 2. Juli
Foto: © Junges Theater Bonn

Zum Stück:

Pinguine streiten gerne. Auch über die Frage nach Gott. Ist der liebe Gott wirklich lieb? Sieht er alles? Oder gibt es ihn vielleicht gar nicht?

„An der Arche um Acht“ – das ist die Anweisung, die die Taube den zwei Pinguinen gegeben hat, denn die gehören zu den Auserwählten, die auf die Arche Noah dürfen. Die Taube hat wirklich alle Flügel voll damit zu tun, die Rettung aller Tierarten zu organisieren. Es regnet schon seit einigen Tagen, und viel Zeit bleibt nicht mehr. Doch die beiden Pinguine stehen vor einem großen Problem: Sie dürfen nur zu zweit auf die Arche, aber sie können unmöglich ihren Freund, den dritten Pinguin, im Stich lassen. Und dann kommen sie auf die rettende Idee…

In seiner Aktualisierung der biblischen Geschichte gelingt es Ulrich Hub ebenso humorvoll wie kindgerecht, über Freundschaft, göttliches Gesetz und menschliche Nächstenliebe, über Glauben und Nicht-Glauben nachzudenken.

Dabei werden die großen, philosophischen Fragen, die jedes Kind früher oder später stellen wird, von den drei Pinguinen ganz konkret auf den Punkt gebracht. Ob Gott in einen Koffer passt? Kann man ihn sehen? Ist Gott unfehlbar? Ist Gott der Schöpfer allen Lebens? Kommen alle, die gestorben sind, in den Himmel? Kann Gott irren? Mit Figuren, die sich zu markanten Charakteren entfalten, spielt der Autor theologische Fragen am konkreten Katastrophenfall durch und zeigt am Beispiel der drei Pinguine, die nach göttlichem Gebot nur zwei sein dürfen, was Solidarität wert ist.

 

Deutsches SchauSpielHaus: "Funny Girl"


Funny Girl

von Anthony McCarten
Dspr. EA: 19. März 2016
Weitere Aufführungen: 4.-6. April, 25. Mai, 16. / 17. Juni, 4.-7. Juli
Foto: © Sinje Hasheider

Zum Stück:

„Also, ich habe eine Mission. Ich will Vorurteile bekämpfen. Das ist mein Kreuzzug. Ich will euch zeigen, dass sogar Fatwa und Terrorismus und religiöser Extremismus ihre lustigen Seiten haben.“

Die junge Londonerin Azime stammt aus einer kurdischen Familie, und fühlt sich hin- und hergerissen zwischen Ost und West, Islam und Säkularismus. Ihre Eltern sind stolze Kurden, die ein Möbelgeschäft in einem typisch migrantisch geprägten Londoner Vorort betreiben. Ihre Mutter will die eigenwillige Azime so schnell wie möglich verheiraten. Sie aber träumt davon, Comedy-Star zu werden und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Heimlich besucht sie einen Comedy-Kurs und feiert bald Erfolge als erster weiblicher, kurdischer Comedy-Star – in Burka. Ihre Eltern sind entsetzt, und im Internet erhält sie Morddrohungen. Auf sich allein gestellt, muss Azime herausfinden, wie es ihr gelingen kann, diese unvereinbar scheinenden Welten miteinander zu verbinden und dabei ihren eigenen Weg zu finden.

Anthony McCartens Roman ist eine hochexplosive interkulturelle Gesellschaftskomödie, in der alle gängigen Klischees und Themen – Ehrenmord, Terrorismus, die Rolle der Frau – aufgegriffen und anhand einer packenden, unterhaltsamen Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Sein Roman, in dem eine kurdisch-stämmige Familie durch das Lachen wieder zueinander findet, ist eine Verbeugung vor dem Humor, der über Hass, Intoleranz und gegenseitiges Unverständnis triumphiert – und Menschen zu verbinden vermag.

Staatstheater Braunschweig: "Offener Himmel"


Offener Himmel

Über das Konvertieren von werkgruppe2
Uraufführung: 18. März 2016
Weitere Aufführungen: 3. / 8. / 15. / 21. April, 27. Mai, 4. / 24. Juni
Foto: © Volker Beinhorn

Zum Stück:

Was lässt uns glauben? Wie beten wir, worum bitten wir, was tröstet uns? Woran zweifeln und womit hadern wir? Warum lässt uns Gott allein? Und wodurch verlieren wir unseren Glauben? Das musikalische Recherche-Theaterstück der werkgruppe2 sucht nach dem religiösen Leben hier und heute.

Dafür wurden in den letzten Monaten Menschen interviewt, die ihre Religionszugehörigkeit verändert haben und heute dem Islam, Judentum oder Christentum angehören oder ohne Glauben leben. Zentral waren in den Gesprächen Beschreibungen der persönlichen Rechtfertigungen von Glauben, der Religionsfreiheit und der Sehnsucht nach »dem Magnetischen von Religion«.

Lange war die Religion in Deutschland totgesagt, doch mit Beginn des neuen Jahrtausend setzte ein stetes Umdenken ein und die Frage nach »Religion als Sinnressource für unsere Demokratie« wurde von dem Philosophen Jürgen Habermas gestellt. Heute gibt es politisch betrachtet kaum ein spannungs- und diskussionsreicheres Verhältnis als jenes von Religion und säkularer Gesellschaft. Wie können wir religiöse Toleranz besser leben? Trägt die Kenntnis über die Differenzen im Glauben zu mehr Verständnis bei? Auch wenn wir sehr unterschiedlich oder gar nicht glauben, was verbindet uns? Nach »Polnische Perlen«, »Erdbeerwaisen« und »Fliehen & Forschen« ist dies die vierte Arbeit der werkgruppe2 in Kooperation mit dem Staatstheater Braunschweig.

Theater Magdeburg: "Die Andere"


Die Andere

Kammeroper von Sidney Corbett und Christoph Hein
Uraufführung: 18. März 2016
Weitere Aufführungen: 27. März, 7. April, 14. Mai
Foto: © Theater Magdeburg

Zum Stück:

Abraham wurde prophezeit, dass er Stammvater eines Volkes werde. Doch seine Position ist bedroht: Seine Frau Sara hat keinen Sohn geboren. Sie schlägt ihm vor, stattdessen ihre Magd Hagar zu schwängern. Tatsächlich wird Hagar schwanger und auch Sara erwartet wider alle Erwartungen ein Kind.

Abrahams Machtansprüche scheinen gesichert, aber die Saat des Konfliktes – nicht nur zwischen den beiden Frauen – ist gelegt.

Nach ihrer ersten erfolgreichen Zusammenarbeit mit »Noach«, 2001 uraufgeführt in Bremen, haben sich der amerikanische Komponist Sidney Corbett und der deutsche Schriftsteller und Dramatiker Christoph Hein erneut einem biblischen Stoff zugewendet. Sie entkleiden die Geschichte über den Stammvater der Juden und der Muslime ihrer religiösen Überhöhung und führen sie auf die Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens zurück: Wie skrupellos kämpfen wir um unsere Macht? Wie lebenswert ist eine Ordnung, die daraus resultiert?

Deutsches Theater Berlin: "Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren"


Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren

nach dem Roman von Antonia Baum
Uraufführung: 13. März 2016
Weitere Aufführungen: 17. März, 12. / 28. April
Foto: © Arno Declair

Zum Stück:

Theodor Püppi, ich habe dauernd Angst um euch. Aber ihr seid schließlich meine Kinder und nicht auf den Kopf gefallen.

Romy Siehst du, und genau das ist das Problem! Mit dir als Vater muss man den ganzen Scheiß alleine regeln, sogar Sorgenmachen um sich selbst, weil du nicht mal das für einen übernimmst.

Theodor ist ein unmöglicher, ein unfassbarer Vater, von dem nicht zu erwarten ist, dass er seinen drei Kindern in konventioneller Weise beim Großwerden hilft. Im Gegenteil. Auf zwei Zeitebenen erzählt die Autorin rasant-komisch das Katastrophenszenario einer abenteuerlichen Kindheit und die nächtliche Suche der geschwisterlichen Schicksalsgemeinschaft nach ihrem verschwundenen Vater.

Ein Vater, von dem es keine Erlösung gibt. 

Der Roman wird von Anja Behrens zusammen mit drei Ensemblemitgliedern und sechs Kindern und Jugendlichen auf der Bühne gebracht. Die in Dänemark lebende Regisseurin ist bekannt für ihre dichten, bildstarken und atmosphärischen Inszenierungen. Der Roman Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren ist im Verlag Hoffmann und Campe erschienen.

Landestheater Linz: "Lehmann Brothers. Aufstieg und Fall einer Dynastie"


Lehmann Brothers. Aufstieg und Fall einer Dynastie

Deutsch von Gerda Poschmann-Reichenau
Österrreichische EA: 12. März 2016
Weitere Aufführungen: 16.-20. / 22.-24. / 26.-28. / 30. / 31. März, 1.-3. / 5.-15. April
Foto: © Jakob Schnetz

Zum Stück:

„Lehman Brothers“ – der Name gilt als Inbegriff von Insolvenz und Finanzkrise. Doch wer kennt schon die Geschichte der Gründerfamilie dieser mächtigen US-amerikanischen Investmentbank, von der nichts blieb als ein Schuldenberg in Höhe von geschätzten 200 Milliarden US-Dollar?

Drei Jahre lang hat Stefano Massini recherchiert, hat akribisch Unmengen von Material gesammelt und. Das Ergebnis ist ein atemberaubender Text, der den Weg dieses zum Mythos des Zusammenbruchs gewordenen Unternehmens über drei Generationen nachzeichnet: eine Familien-Saga, die man zugleich als Autopsie des Kapitalismus lesen kann.

Es beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Gründung einer kleinen Textilhandlung in Montgomery durch drei aus Süddeutschland eingewanderte Brüder, Söhne eines jüdischen Viehhändlers, und endet rund 150 Jahre später mit dem Ausverkauf eines Finanzimperiums.

Bühnen Graz / Schauspiel: "FREQUENZEN"



Frequenzen

Nach Motiven aus dem Roman „Die Frequenzen“ von Clemens J. Setz
Fassung für das Schauspielhaus Graz von Alexander Eisenach

Uraufführung: 12. März 2016
Weitere Aufführungen: 17. / 30. März, 6. / 8. / 16. / 20. April, 17. Mai
Foto: © Lupi Spuma

Zum Stück:

Alexander Kerfuchs lebt in einem Zustand ständiger Verwirrtheit. Nicht nur, weil seine synästhetische Wahrnehmung in Frequenzbereiche vordringt, die anderen Menschen verborgen bleiben. Auch, weil er als Kind erleben musste, wie sein Vater im Keller des Einfamilienhauses einen Riss entdeckt und bald darauf die Familie verlässt. 700 Seiten später taucht der erwachsene Kerfuchs auf der zweiten Hochzeit des Vaters auf, mit jahrzehntelanger Wut im Bauch.

Dazwischen passiert allerhand, aber eigentlich geht es nicht darum die Geschichte von Kerfuchs stringent zu erzählen; es geht um die Geschichten zahlreicher Gestalten, die sein Leben in Graz kreuzen oder in zeitlichen oder räumlichen Paralleluniversen daran vorbeileben. Eigentlich ist es unmöglich, diesen Roman des Grazer Literaturstars Clemens J. Setz angemessen zu dramatisieren und der Theaterabend kann und soll keinesfalls die Lektüre ersetzen!

Aber das Theater sendet auf einer eigenen Frequenz und gibt mit seinen Mitteln den Kosmos des Romans wieder. Der Regisseur Alexander Eisenach, geboren 1984 in Ost-Berlin, kennt den Autor Setz, dessen preisgekrönter, jüngster Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ in den Feuilletons gerade wochenlang mit hymnischen Kritiken bedacht wurde, schon seit Langem und bezeichnet „Die Frequenzen“ als eines seiner Lieblingsbücher.

Er wird sich ihm – ausgestattet mit einer carte blanche des Autors – mit Respekt, Furchtlosigkeit und Videotechnik nähern und mit den Schauspielerinnen und Schauspielern das Erzählen als uralte Kulturtechnik erforschen. Dabei schöpft er aus den Erfahrungen, die er u. a. am Centraltheater Leipzig, am Schauspiel Frankfurt, am Zürcher Neumarkttheater und am Schauspielhaus Hannover mit der Inszenierung von formal herausfordernden Stücken, Romanen und Filmadaptionen gemacht hat.

Staatstheater Stuttgart / Schauspiel: "I’m searching for I:N:R:I"



I’m searching for I:N:R:I

(eine kriegsfuge) von Fritz Kater
Uraufführung: 11. März 2016
Weitere Aufführungen: 16.-18. / 21.-23. März, 1. / 6. / 7. April
Foto: ©Thomas Aurin

Zum Stück:

Westdeutschland Ende der 50er Jahre – das Gefühl der Stabilität und des geglückten Neubeginns spiegelt sich in der Beziehung zwischen der rätselhaften Rieke und Maibom, einem Journalisten und Nazijäger. Maibom und Rieke leben im siebten Jahr ihrer Beziehung, vielleicht wollen sie heiraten. Als Maibom von einer Reise aus Brasilien und Kuba zurückkommt, ist Rieke verschwunden, die gemeinsame Wohnung durchwühlt. Ist sie entführt worden? Es entspinnt sich ein Spionagethriller, der auf drei Zeitebenen das schicksalhafte Scheitern der Liebes- und Lebensgeschichte dieser beiden Figuren zeigt.

Das Deutschland während des Zweiten Weltkriegs, das Wirtschaftswunderland nach dem Krieg und die Vorwendezeit 1989 lassen die Protagonisten zu Opfern der jeweiligen gesellschaftlichen Umstände werden und stellen zugleich die Frage nach persönlicher Schuld und Verantwortung. Maibom macht sich auf die Suche nach Rieke. Wie der Sänger Orpheus in der griechischen Mythologie will er seine Geliebte zurückholen und folgt ihr ins Reich der Schatten. Die Spuren führen nach Bonn-Bad Godesberg und die Eifel. Sie sehen sich wieder. Erkennen sie sich?

Ein Genrespiel zwischen Melodram und Film Noir über die Macht der Vergangenheit und eine Liebe, die nicht alles überwinden kann. Jossi Wieler, Intendant der Oper Stuttgart, inszeniert nach sechs Jahren zum ersten Mal wieder am Sprechtheater. Fritz Katers Stück erzählt deutsche Geschichte aus einer ganz eigenen Perspektive. Das Stück ist eine andere, überraschende Art der Reflexion über die Wunden des Krieges. Es geht um „normale“ Menschen, keine Helden der Geschichte.

Agenten ihrer selbst. Vielleicht vergleichbar mit Fassbinder-Figuren: Menschen machen Geschichte, ohne dass ihnen das so richtig bewusst ist. Das hat mich im Kern berührt. Der 2. Weltkrieg wird oft nur moralisch reflektiert; das ist hier nicht der Fall. Es gibt keine Betroffenheit. Das Stück ist eher ein Vexierbild der Geschichte, das sich auch nach und nach nicht zu einem Ganzen zusammenfügt. Spuren der Geschichte, Versehrtheiten, verletzte Identitäten setzen sich in dieser „kriegsfuge“ fort über den langen Zeitraum von 1941 bis 1989. Sie klingen nach, wiederholen sich, werden weitergegeben. Eine Geschichte wie ein Krimi.

Theater Basel: "Die Bacchen"



Die Bacchen

Schauspiel von Euripides in einer Bearbeitung von Roland Schimmelpfennig
Uraufführung: 11. März 2016
Weitere Aufführungen: 31. März, 3. / 7. / 15. / 17. April
Foto: ©Simon Hallström

Zum Stück:

«Die Bacchen» des Euripides, 406 vor Christus im Exil verfasst, zählt zu den grössten und zugleich auch rätselhaftesten antiken Tragödien. Dionysos, Gott des Rausches, der Ekstase und der Fruchtbarkeit, sucht die griechische Stadt Theben heim. Doch Pentheus, König von Theben, weigert sich, Dionysos als Sohn des Zeus und somit als Gott anzuerkennen.

In einem schier aussichtslosen Kampf lehnt sich Pentheus gegen den Kult um Dionysos auf und wird dafür auf das Entsetzlichste bestraft, denn Götter sind nicht gnädig. zwei unversöhnliche Prinzipien stossen aufeinander: rationales, kühles, in Frage stellendes Denken und kalkulierende Staatsraison einerseits, und die Forderung nach bedingungslosem Glauben andererseits. Zwei Extrempositionen ringen um gesellschaftliche Vormachtstellung.

Schliesslich lässt Dionysos, der keine Widerrede duldet, seine Anhängerinnen, die Bacchen, am König Rache nehmen. Denn die Allmacht der Götter darf nicht angezweifelt werden. An den Konsequenzen leidet der Mensch–Opfer, jedoch auch Täter, wenn deren Rausch verflogen ist. Die antizivilisatorische Barbarei der Bacchen scheint heute aktueller denn je, denn ungewiss bleibt, ob das traurig an die Prinzipien der Aufklärung gemahnende Europa den ideologischen Kampf gegen die selbsternannten Rächer Gottes gewinnen wird.

Mit Roland Schimmelpfennig hat sich einer der relevantesten Gegenwartsdramatiker jener so grausamen Tragödie angenommen und eine präzise, schnörkellose und umso mitleidlosere Neuübersetzung verfasst, die von Robert Borgmann, der 2015 bereits das zweite Mal in Folge zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, uraufgeführt wird.

Niedersächsisches Staatstheater Hannover / Schauspiel: "Das Anadigiding III: Die Welt von morgen"



Das Anadigiding III: Die Welt von morgen

von und mit Rainald Grebe
Uraufführung: 10. März 2016
Weitere Aufführungen: 20. März, 6. / 12. / 22. / 28. April
Foto: © Karl-Bernd Karwasz

Zum Stück:

Aller guten Dinge sind drei. Nach Das Anadigiding und Das Anadigiding II: Die Stadtrundf@hrt folgt nun der letzte Teil unseres Dreijahresprojekts zum großen Zeitenumbruch. An diesem Abend eröffnen wir mit zahlreichen Mitstreitern unsere Zukunftsmesse - Leben, Lieben, Arbeiten im Jahr 2020, 2030.

Wo und wie kaufen wir in zehn, 15 Jahren unsere Brötchen? Bezahlen wir noch mit Münzen oder schon mit Bitcoins, und wer bäckt sie überhaupt für uns? Noch Menschen oder schon Maschinen? Und wenn man uns dann alle Arbeit abgenommen hat, was machen wir eigentlich mit der ganzen Freizeit? Ehrenamt, Ratlosigkeit, dolce far niente oder doch das bedingungslose Grundeinkommen?

Werden die Dystopien eines Stephen Hawking, der dieser Gesellschaft in ihrer bisherigen Form noch 18 Jahre gibt, bevor die Maschinen zu unseren Ungunsten übernehmen, Wirklichkeit? Und was heißt das überhaupt, "Künstliche Intelligenz"? Und wieso kommt der auf genau 18 Jahre?

Ein Spiel auf Zeit. Die Weichen in Richtung Zukunft sind gestellt, ein Zurück scheint kaum mehr möglich. Oder doch?

Contrakreis Theater Bonn: "Der Pantoffel-Panther"



Der Pantoffel-Panther

Komödie von Dietmar Jacobs, Lars Albaum
Uraufführung: 10. März 2016
Weitere Aufführungen: 15.-20. / 22.-24. / 26.-31. März,
1.-3. / 5.-10. / 12.-17. / 19.-24. / 26.-30. April, 1. / 3.-8. / 10.-15. Mai
Foto: © Contrakreis Theater Bonn

Zum Stück:

Hasso hat ein Problem: als langjähriger Vertriebler von „Delaponte-Schuhen“, einem führenden Hersteller von edlen Lederpantoffeln, musste er sein eigenes kleines Büro dicht machen, weil die Geschäfte so schlecht liefen. Für seine warmherzige Gattin Röschen, die jetzt schon von einem neuen, bunteren Leben träumt, wenn Hasso in Rente ist, spielt er jedoch immer noch den fleißigen Ernährer, der morgens das Haus verlässt und abends um 17 Uhr nach Hause kommt.

In Wirklichkeit erledigt Hasso in dieser Zeit Hilfsjobs der eher skurrilen Art. Doch das damit verdiente Geld reicht hinten und vorne nicht. Um an mehr Geld zu kommen, löste er seine Lebensversicherung auf und verspekulierte sich an der Börse historisch, so dass er nun auf einem Berg Schulden sitzt, und die Altersversorgung von Röschen und ihm ist komplett weg! Wäre nicht sein gutmütiger Freund Rüdiger, der ihn ständig unterstützt, wäre der -finanzielle Supergau schon längst eingetreten.

In dieser Situation taucht der waschechte Italiener Luigi auf, der Hasso für den legendären „Panther“ hält, und ihm sehr viel Geld für einen Job in Aussicht stellt. Damit wäre Hasso auf einen Schlag alle seine Sorgen los! Und so nimmt das Chaos unaufhaltsam seinen Lauf.

Theater Aachen: "Partner"



Partner

Ein Barspiel von Thomas Melle
Uraufführung: 9. März 2016
Weitere Aufführungen: 20. / 26. März, 1. / 8. / 12. / 15. / 22. April
Foto: © Carl Brunn

Zum Stück:

Arno und Frank, zwei Kollegen, sitzen beim Feierabendbier: »Ja, ja … der Chef …«, man macht sich wirklich »Sorgen« um seinen Gesundheitszustand und seine psychische Verfassung. Der sollte am besten mal in Kur! Oder gleich in die Klinik! Man durchleuchtet ausführlich die schiefe Lage des Betriebs und trinkt sich vor allem die eigene Bequemlichkeit schön.

Bis plötzlich Klaus, der Chef, der geniale »Steve Jobs« der Werbeagentur, in der Arno und Frank arbeiten, höchst persönlich auftaucht und seinen neusten Geschäftsplan eröffnet: London ruft! Da rudern Arno und Frank mal ganz schnell zurück, man will nichts gesagt haben, denn jetzt steht die Frage im Raum: Wer geht am Ende mit nach London, und wer ohne Job aus der Kneipe? Eine kleine, treffsichere Beobachtung über Opportunismus und Loyalität.

Thomas Melle ist mit »Sickster« und »3.000 Euro« (2014 auf der Shortlist zum »Deutschen Buchpreis«) vor allem Romanlesern ein Begriff. Dabei werden auch seine Theaterstücke bereits seit Jahren erfolgreich an deutschen Bühnen aufgeführt. Sein Stück »Partner« entstand im Autorenlabor am Düsseldorfer Schauspielhaus und gewann 2008 beim amerikanisch-deutschen Autorenfestival »Gimme Shelter« den Publikumspreis. Zudem wurde Melle damit 2009 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen. Der Regisseur Eike Hannemann, ein Weggefährte Melles, hat diesen Text jetzt wiederentdeckt und bringt ihn am Theater Aachen zur Uraufführung.

Staatstheater Mainz: "Hom – Das Schweigen der Männer"



Hom – Das Schweigen der Männer

von Taneli Törmä, Csaba Molnàr und Lander Patrick

Uraufführung: 6. März 2016
Weitere Aufführungen: 21. März, 17. / 25. April, 2. Mai
Foto: © Andreas Etter

Zum Stück:

Die Inspiration für HOM kam vom europäischen Aerowaves Network. Es kürt jedes Jahr die Aerowaves Twenty. Das sind jene vielversprechenden Choreografen, die jährlich von einer Veranstalterjury aus 33 Ländern aus ca. 600 eingesandten Arbeitsproben hervorgehoben werden. Drei der Aerowaves Twenty der letzten beiden Jahre haben wir dazu eingeladen, jeweils ein Männerduett für tanzmainz zu kreieren. Entstanden ist der Abend HOM (abgeleitet aus frz. Hommes = Männer).

POWER OF THE MO/VE/MENT von Taneli Törmä zeigt uns Männlichkeit, so wie wir sie heute wahrnehmen. Subtil hinterfragt es Rollenbilder unserer Gesellschaft, indem es uns zu einen philosophischen Trip in die Welt der geheimen Signal des Alltags einlädt. Taneli Törmä (Jg. 1985) ist ein Multitalent. Der ausgebildete Tänzer ist heute auch als Choreograf, Lehrer und Filmemacher unterwegs. Unter dem Label LOCATION X schafft er innovative Tanz- und Videoarbeiten, die die Grenzen von Tanz und Performance durchbrechen.

In Bewitched Love von Csaba Molnàr kommen zwei Tänzer als Comedians auf die Bühne, um ihr Publikum zu unterhalten. Es entsteht eine faszinierende Story, die in vielen Variationen am Ende doch nur die eine immer große Geschichte erzählt. Csaba Molnàr (Jg. 1986) wurde in der Slowakei geboren, begann sein Studium in Budapest und setzte es in den Performings Arts Research and Training Studios (P.A.R.T.S.) in Brüssel fort. Er ist heute einer der prägenden jungen Choreografen und Tänzer Ungarns und arbeitet u.a. mit Hodworks und dem BLOOM! Kollektiv.

In OHM von Lander Patrick befolgen die beiden Protagonisten einen Auftrag, den ihnen nie jemand gegeben hat. Mit geradezu heiligem Ernst geben sie sich einem Ritual hin, das auch für sie selbst immer undurchschaubarer wird. Nach und nach stellen sie ihr ganzes Können in den Dienst des abstrusen unbekannten Plans. Lander Patrick wurde 1989 in Brasilien geboren und zog bald darauf nach Portugal. Wann immer derzeit aufregende Produktionen aus seiner neuen Heimat kommen, ist Lander nicht fern. Er arbeitet u.a. mit Luis Guerra, Marlene Monteiro Freitas und Jonas Lopes.

Ein ganz und gar untypischer Dreiteiler, der zeigt, wie weit und formenreich Tanz heute sein kann!

Schauspiel Frankfurt: "Der goldene Fleiß"



Der goldene Fleiß

von Alexander Eisenach

Uraufführung: 6. März 2016
Weitere Aufführungen: 7. / 8. April
Foto: Birgit Hupfeld

Zum Stück:

In den Eingeweiden eines Schafes erkennt ein Voodoopriester in Darfur deutlich die Probleme Afrikas: Die Gesellschaft schaut dem eigenen Verfall zu, wiegt sich in der Lethargie der Kolonialzeit, gibt dem Westen die Schuld an der eigenen Unfähigkeit und bekämpft sich lieber wechselseitig, als gemeinsam Besserung zu schaffen. Aber es gibt einen Ausweg: Den »goldenen Fleiß«, der vor langer, langer Zeit von den europäischen Kolonialmächten gestohlen wurde. Die Freunde Jayson und Marbadu werden in den Norden geschickt, um ihn schleunigst zurückzuholen, denn er bringt Glück, Zufriedenheit und Wohlstand für alle.

Alexander Eisenach überschreibt in seinem für das AUTORENstudio entstandenen Stück den antiken Mythos vom »Goldenen Vlies« und transponiert die große Suche der Argonauten in unsere krisengeschüttelte Gegenwart – mit scharfem Blick auf uns und die Anderen.

Deutsches Schauspielhaus Hamburg: "Die disparate Stadt"



Die disparate Stadt

Kühne Widerspenstigkeit oder bequeme Touristenattraktion?

Uraufführung: 5. März 2016
Weitere Aufführungen: 9. März
Foto: © Christian Bartsch

Zum Stück:

»Die disparate Stadt« will sich den Ausschlägen gegenkultureller Widerspenstigkeit in Hamburg widmen: von der Swing-Jugend der 30er Jahre bis ins Heute.

Das Theater überprüft dabei seine eigenen Reglements: kein fester Eintritt, keine festen Rollen, kein Ende. Musikschaffende und Rollschuhfahrende, Turnende und Tanzende, Schauspielende sowie St. Pauli-Archivierende bilden das städtische Disparat. Großer Teil der Mitgestaltenden sind die »Hallo Festspiele«, deren Arbeitsweise radikales Ernstnehmen ist: Das SchauSpielHaus wird eine erkundbare Nachbarschaft und die Seife verwandelt sich in eine Brandschutzexpertin.

Die HALLO Festspiele sind ein künstlerisches Format bestehend aus Architektur, Performance, Spiel, Kommunikation, Musik, Diskurs und Küche. Mit Mitteln eines transdisziplinären Festivals spielt es Raumentwicklungen, bis sie wirklich werden. Ihre Haltung ist dabei radikales Ernstnehmen aller am Prozess Beteiligten.

Dafür hat sich Hallo dieses Jahr das Kraftwerk Bille in Hammerbrook als Spielort gewählt, für den ein langfristiges Nutzungskonzept gefunden werden soll. Ständig forscht und probiert Hallo dazu in großen und kleinen Kontexten, die im Spätsommer diesen Jahres vorerst in einer Festspielwoche münden. Jetzt probieren die Hallos ihre Prinzipien auch im Rahmen der disparaten Stadt am Schauspielhaus, indem sie z.B. fragen: Was kann hier passieren? Wen gibt es hier? Wie kann das alles anders funktionieren? Und was passiert eigentlich, wenn ein Festivalformat, das gar kein Festivalformat ist, Theater macht, das gar kein Theater ist?

Falls immer noch jemand nicht 100%ig klar sein sollte, was das eigentlich soll, fragt uns – jede Vorstellung hat auch ihren Nach-Teil!

Im Anschluss an das Stück heißt es dann Auszug der Widergespenster aus dem Haus, hinein in den Nach-Teil. Es darf miteinander gesprochen, gegessen, getanzt werden. Nur 34 mittelgroße Schritte vom MalerSaal entfernt braut sich etwas zusammen: Ein gemeinsames Abendmahl und selbst gemachte, hochprozentige Getränke ohne Sky-Abo und Coca-Cola-Fußabtreter – von und mit Harmony Horizon, Pelle Buys, Dj Kostja Geld, Schorsch Kamerun, Thomas Becker, Thomas Baldischwyler, Ralf Köster, L.C.Knabe, Viktor Marek und Superdefekt!

Salzburger Landestheater: "Cyber Cyrano"



Cyber Cyrano

Jugendstück von István Tasnádi / ab 12 Jahren

Uraufführung: 3. März 2016
Weitere Aufführungen: 9.-11. / 14. / 15. / 30. / 31. März, 1. / 4. / 5. April
Foto: © Anna-Maria Löffelberger

Zum Stück:

Immer online, alles teilen, alles posten … Der Umgang mit sozialen Netzwerken ist heute eine Selbstverständlichkeit. Doch die schier unbegrenzten Möglichkeiten des Internets bergen auch Risiken. Die Beurteilungswut, der Darstellungszwang und die Anonymität eröffnen neue Dimensionen. Davon erzählt das Stück des ungarische Autors István Tasnádi. Basierend auf einer wahren Geschichte mit verheerenden Folgen, erzählt er eine moderne Variante des Cyrano de Bergerac. Sein »Cyrano« allerdings ist ein 15-jähriges Mädchen und ihre »Poesie« verfasst sie online.

Susi steht total auf Matti, einen ihrer Klassenkameraden, nur leider steht der so gar nicht auf Mauerblümchen. Viel interessanter findet er Heni, die Neue in der Klasse – sie ist hübsch, cool, selbstbewusst und flirtet bald heftig mit Matti. Dagegen muss Susi dringend etwas unternehmen und sorgt dafür, dass Heni Viktor kennenlernt. Er ist der Sohn eines Diplomaten, der im Ausland lebt und seine Zeit mit Segeln und Reiten verbringt. Heni verliebt sich Hals über Kopf, denn zudem ist er auch noch richtig einfühlsam und versteht als einziger wirklich, was in ihr vorgeht! Die Online-Beziehung der beiden vertieft sich und Heni verliert nach und nach komplett das Interesse an Matti. Dafür sucht sie immer häufiger den Austausch mit Susi, die ja im Social-Network auch mit Viktor befreundet ist. Susi genießt die Aufmerksamkeit, die sie dank ihres coolen Freundes bekommt. Aber ist Viktor wirklich, was er zu sein scheint? Matti beginnt einiges zu hinterfragen und auch Heni dämmert es, dass in ihrer schönen Online-Welt hinter perfekt-bearbeiteten Fotos nicht immer der Mensch steckt, den man erwartet …

»Cyber Cyrano« erkundet das Internet als Spielwiese und Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion: Welchen Schaden können virtuelle Geschöpfe anrichten? Wie fest verflochten sind die reale und die virtuelle Welt? Wie leicht ist es, Menschen in sozialen Netzwerken zu täuschen? Und was passiert, wenn Täter zu Opfern werden und umgekehrt?

Theater Dortmund: "Herr Orpheus geht zur Schule"



Herr Orpheus geht zur Schule

Mobile Kinderoper von Wiebke Hetmanek Musik von Monteverdi, Gluck, Offenbach u.a. ab 5 Jahren

Uraufführung: 1. März 2016
Weitere Aufführungen: 3. / 7.  März, 6.-8. / 11.-13. / 22. / 25.-29. April
Foto: ©Bettina Stöß (Stage Picture GmbH)

Zum Stück:

Erstmals produziert die Junge Oper Dortmund ein mobiles Musiktheaterstück, mit dem sie in Schulen und Kindergärten auftreten kann.

Herr Orpheus geht zur Schule erzählt mit wenigen Mitteln und viel Musik die Geschichte des antiken Mythos um den Sänger Orpheus. Dessen Gesang ist so betörend, dass ihm der Gott der Unterwelt erlaubt, seine geliebte Frau Eurydike aus dem Totenreich wieder in die Welt der Lebenden zurückzuholen. Ob ihm das tatsächlich gelingt, entscheiden die Kinder.

Zwei Sänger schlüpfen in diverse Rollen, während zwei Instrumentalisten Orpheus-Vertonungen aus verschiedenen Jahrhunderten spielen. In einer knappen Schulstunde erleben die Kinder in ihrem eigenen Klassenzimmer nicht nur eine spannende Geschichte – bei der sie auch immer wieder mitspielen können –, sondern erfahren dabei auch noch, was eine Oper ist.

Interessierte Schulen und Kindergärten können die mobile Oper bei der Theaterpädagogin Heike Buderus buchen. Aufführungsort ist das jeweilige Klassenzimmer, Vorstellungsbeginn in der Regel die 3. Stunde.

Theater Bielefeld "Dog Days"



Dog Days

von David T. Little
Oper in drei Akten Libretto von Royce Vavrek
Basierend auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Judy Budnitz

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Europäische EA: 27. Februar 2016
Weitere Termine: 1. / 12. März, 3. / 14. / 22. April
Foto: Plakatmotiv

Zum Stück:

Die Welt steht vor dem Untergang, die Menschheit am Ende ihrer Existenz(berechtigung): Im Ländlichen freundet sich Lisa mit Prinz an, einem als Hund lebenden Bettler. Damit löst sie nicht nur Begeisterung bei ihrer Familie aus. Lisas Brüder erliegen Drogenkonsum und Faulheit, ihre Eltern zermürben sich zwischen Überlebenskampf und Kinderliebe. Sukzessive treibt der ausgehungerte Clan einer Katastrophe entgegen …

Dog Days offenbart eine düstere Vision, einen finsteren Blick in den dunklen Abgrund der Menschheit, sich musikalisch speisend aus amerikanischer Klassik, finsteren sphärischen Klängen und Heavy-Metal-Elementen.

David T. Little (*1978) gehört zu den Newcomern der amerikanischen Musiktheaterszene, wird von der New York Times als einer der neuen Komponisten des 21. Jahrhunderts gefeiert; Dog Days von 2012 erweist sich im Kontext seines Schaffens als zentrales Opus, welches innerhalb kürzester Zeit auf diversen amerikanischen Bühnen zu sehen war, immer mit nachhaltigem Erfolg und besten Kritiken.

Die Verzahnung der dystopischen Erzählweise, die dicht an den Figuren bleibt, und der ins Mark gehenden Musik erzeugt eine neue Form des Musiktheaters – spannend für alle Altersklassen und zum Nachdenken anregend.

Niedersächsisches Staatstheater Hannover / Schauspielhaus "Amerikanisches Detektivinstitut Lasso"



Amerikanisches Detektivinstitut Lasso

von Nis-Momme Stockmann und Les Trucs

Uraufführung: 17. Februar 2016
Weitere Aufführungen: 20. / 24. Februar, 1. / 5. / 17. März
Foto: © Katrin Ribbe

Zum Stück:

Ein unsicher wirkender junger Mann, der Autor eines neuen noch zu schreibenden Musicals über den Massenmörder Fritz Haarmann, checkt im City-Hotel am Thielenplatz ein. In seinem anfänglich unverfänglichen Gespräch mit dem Rezeptionisten verwickelt sich der junge Mann schon bald in tiefe Widersprüche betreffend seines Auftragswerkes.

Die Dispute über Sinn und Zweck dieses Auftrags setzen sich auf unterschiedlichste Weise fort, mit dem Intendanten des Schauspiels, seinem Lektor und der Dramaturgie. Und immer stärker kristallisiert sich die Frage heraus, was Kunst eigentlich soll, was sie kann, was sie je für uns getan hat. Wie frei darf Kunst sein? Ist sie abhängig von der gesellschaftlichen Reflexion eines Themas und den dazu veröffentlichten privaten Meinungen? Darf Fritz Haarmann in einem Musical singen?

In seinem neuen Stück Amerikanisches Detektivinstitut Lasso reflektiert Nis-Momme Stockmann die heutige Schwierigkeit eines ge- sellschaftsverändernden und politischen Kunstanspruches. Er plädiert für eine Kulturtechnik, in der das Scheitern kein Synonym für Versagen, sondern ein  Ausgangspunkt für produktive Zweifel ist. Gemeinsam mit der Band Les Trucs ist so eine »Ode der Positivität« entstanden, die uns für die ohnehin bevorstehenden Veränderungen wappnet, uns zu gemeinsamen Beschlüssen ermutigt und den Blick freimacht, statt ihn unproduktiv auf herrschende Differenzen zu lenken. Ein Musical über das Scheitern an einem Musical über Fritz Haarmann.

Bayerische Staatsoper „South Pole“


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1910 begannen zwei konkurrierende Teams ihre Expeditionen in die Antarktis: ein britisches um Robert Falcon Scott und ein norwegisches um Roald Amundsen, im Wettlauf um die Ehre, der erste Mensch am Südpol zu sein. Amundsen gelangte einen Monat vor Scott ans Ziel; Scott und seine vier Begleiter kamen im Schneesturm auf dem Rückweg ums Leben. Der Nachricht von Amundsen Erfolg folgte bald diejenige von Scotts heroischem Scheitern. Scott wurde zur tragischen Legende.  Die Oper von Miroslav Srnka und Tom Holloway erzählt davon, was zwischen den Zeilen der überlieferten Dokumente steht: was in den Männern in der langen Zeit des Winters vor sich geht, welche Empfindungen die Einsamkeit im Eis hervorruft, wie aus der Zusammenarbeit auch Konkurrenz und Anspannung erwachsen, wie sich im Widerstreit von nationalem Pathos und alltäglichen Geschäften absurd komische Situationen ergeben, in welcher Weise die Männer an ihre daheimgebliebenen Frauen dachten. Schließlich ist der Südpol nur ein weißer Fleck in einer weißen Ebene, der Reiz, diesen Punkt zu erreichen, vollkommen abstrakt, ein l'art pour l'art der Grenzüberschreitung.

 

 

1. Teil Erstes Telegramm:

Der Norweger Roald Amundsen teilt dem britischen Team um Robert Falcon Scott in einem Telegramm mit, dass auch seine Expedition Kurs auf die Antarktis nimmt. Der Wettlauf um die Eroberung des Südpols beginnt.

Ankunft: Beide Teams sind voller Enthusiasmus. Die Briten haben für den Transport Ponys mitgenommen, die Norweger setzen auf arktische Schlittenhunde. Zum Zeitvertreib im Basislager spielen die Briten Ball. Die Norweger planen eine Sauna; es treten erste Spannungen zwischen Amundsen und seinem Teammitglied Johansen zutage.

Winter: In der Dunkelheit des antarktischen Winters scheint die Zeit stillzustehen. Beide Teams hören ihnen vertraute Musik. Die Briten versuchen, ihrem Chef Scott zu erklären, was sie bewegt. Es werden Differenzen zwischen Scott und Oates deutlich. Oates sucht die Einsamkeit und ahnt, dass die Ponys den Anforderungen nicht gewachsen sein werden. Amundsen treibt sein Team voller Unruhe zur Vorbereitung der schweren Aufgabe an. Schließlich drängt er vorzeitig zum Aufbruch. Sein Team zwingt ihn zur Rückkehr in das Basislager. Scott erscheint seine Frau Kathleen. Er vermutet sie auf einer Party und misstraut ihrer Liebe.

Start: Johansen begehrt gegen Amundsen auf. Scott ermahnt seine Leute, Tagebuch zu führen. Ein Motorschlitten der Briten versagt seinen Dienst. Amundsen erinnert an das strikte Schreibverbot, das er seinem Team erteilt hat. Beide Teams brechen auf.

Wettlauf: Die Ponys der Briten erweisen sich als untauglich, die Norweger geraten auf ihrem Weg über das Eis immer wieder in Gletscherspalten. Scott wie auch Amundsen befragen den Sinn der gesamten Expedition. Amundsen erscheint die 'Landlady', eine frühere Vermieterin und Geliebte. Sie erklärt, sie müsse Chemikalien kaufen, und verschwindet. Trotz aller Schwierigkeiten kommen beide Teams zu diesem Zeitpunkt gut voran.

Die Tötung: Die Briten töten ihre erschöpften und ausgelaugten Ponys. Die Norweger töten ihre Hunde, die ihren Dienst erfüllt haben und als Nahrung für den Rückweg eingelagert werden. Während Scott es als seine Pflicht ansieht, der Schlachtung beizuwohnen, zieht sich Amundsen zu seinem Tagebuch zurück.

Daheim: In einer großen Vision setzen sich Amundsen und Scott mit sich selbst und ihrem jeweiligen Widersacher auseinander und zweifeln neuerlich am Sinn der Expedition. Wieder erscheinen ihnen Kathleen und die Landlady. Es wird deutlich, dass die Landlady mithilfe der Chemikalien seinerzeit Selbstmord begangen hat. Sie fordert Amundsen auf, sich dem Leben zu stellen. Kathleen ist der Eifersucht ihres Mannes überdrüssig. Scott wie auch Amundsen sehnen sich nach Anerkennung und Liebe. Das Gefühl der Einsamkeit wird stärker, das Ringen um den Erfolg härter und die Angst vor dem Scheitern unerträglicher. Der Kampf um den Südpol setzt sich fort.

2. Teil Briefe:

In Briefen an ihre Mütter schildern der Brite Oates und der Norweger Johansen ihre Skepsis und ihre Einsamkeit. Amundsen ertappt Johansen beim Schreiben und bestraft ihn für die Übertretung des Verbots.

Pol 1: Die Norweger gelangen an den Pol und stellen ihre Fahne auf. Die Expedition hat ihr Ziel erreicht. Amundsen wird weiterhin von Zweifeln geplagt, die er der Landlady anvertraut. Er hinterlässt Scott einen Brief, der an den norwegischen König gerichtet ist. Dann befiehlt er seinem Team die sofortige Rückkehr. Die Frauen: Kathleen Scott und die Landlady tauschen sich aus über ihre Ängste und die Sorge um die Männer sowie den Erfolg der Expedition.

Pol 2: Die Briten erreichen den Pol. Scott findet den Brief. Erschöpfung mischt sich mit der Enttäuschung, den Wettlauf verloren zu haben. Vögel: Der Anblick von Skua-Möwen versetzt Johansen in grimmige Vorfreude auf die bevorstehende Rückkehr. Auf britischer Seite nimmt die Erschöpfung zu; Evans bricht als erster zusammen. Die Norweger treffen auf ihr Depot der geschlachteten Hunde. Amundsen lässt sich zu einem Skirennen gegen Bjaaland hinreißen, das er knapp gewinnt.

Zusammenbruch: Evans ist tot. Die verbliebenen Briten müssen feststellen, dass in ihrem Zwischenlager der Brennstoff in den Kanistern verdunstet ist. Der Not der Briten stehen Überfluss, Übermut und Siegesgewissheit der Norweger gegenüber. Der von Amundsen erwartete Sturm bleibt aus; er wird von seinen Gefühlen überwältigt. Trotz Hunger und Erfrierungen sammeln die Briten Gesteinsfunde. Wilson verteilt Morphium. Oates erkennt, dass er den Strapazen nicht mehr gewachsen ist, und geht in den Kältetod.

Abschiede: Die Norweger erreichen ihr Basislager. Amundsen verkündet, dass er Johansens Beteiligung an der Expedition verleugnen wird, und bricht auf Richtung Heimat. Die drei noch lebenden Briten verkriechen sich in ihre Schlafsäcke. Bowers erfriert. Scott liest aus seinem Tagebuch. Ihn plagen Schuldgefühle. Auch Wilson stirbt. Scott sieht ein letztes Mal seine Frau Kathleen. Sie ahnt den Tod ihres Mannes. Die Landlady erscheint. Auch Amundsen wird von Todesgedanken verfolgt.

Letztes Telegramm: Amundsen erhält die Nachricht von Scotts Tod. Er widmet ihm den Pol.

Henry Arnold

Fotograf: © Wilfried Hösl